Makeki Neko 2. Teil

Die Geschichte der Maneki-Neko (Welcoming Katze)

Heute kaum noch wegzudenken. Weltweit sehen wir in Geschäften die mit einer Pfote winkenden Katzenfiguren in allen möglichen, auch kitschig, goldenen Farben, teilweise sogar (für das schnelle Geschäft oder das noch schnellere Glück) mit elektrisch angetriebener, winkender Pfote.
Diese willkommen-heißenden Katzen (Maneki-Neko) sollen Kunden anlocken, Glück bringen, oder sie stehen als generelle Kunstfiguren in Schaufenstern und (wie bei uns) auch zu Hause.  Je nachdem mit welcher Pfote diese Katzen winken, wollen sie Menschen als Kunden oder Besucher für ein gutes Geschäft anlocken (linke Pfote), winken sie mit der rechten Pfote, so wollen sie allgemeines Glück, Familienfrieden etc. verbreiten.

Alles begann im Gotokuji Tempel, heute Sitz der buddhistischen Soto Zen Sekte in Tokyo im Stadtteil Setagaya-Ku.
Ein weiter Tempelbezirk, herrlichem alten Baumbestand und u.a. den Grabstätten der Familie des Fürsten Ii Naosuke (Ii-sama). Dieser Fürst spielte vor der Meji Restoration (1868-1890)  eine große Rolle.
Er riet damals zur Öffnung Japans, als die Tokugawa Bakufu (Tokugawa Shogunats Regierung) durch die „Schwarzen Schiffe“ des amerikanischen Commodore Perry unter Druck geriet Japan nach über 200 jähriger Abgeschlossenheit (Sakoku) durch den „Harris Vertrag“ für den Handel mit Ausländern zu öffnen.

Die Geschichte der Maneki-Neko, das sind die, die mit der rechten Pfote winken, geht auf eine Begebenheit Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Sie soll sich laut Beschreibung des Gotkokuji Tempels folgendermaßen zugetragen haben:

In früherer Zeit war dieser Tempel sehr arm. Ein Abt mit einigen Novizen überlebten so gerade, sie übten sich sich in Shugyo – buddhistischen Körper/Geist Trainings. Dieser Abt liebte seine Katze wie ein eigenes Kind, er verzichtete sogar auf seine Mahlzeiten nur um seine Katze zu füttern. Eventuell, so denken wir heute, war das auch ein Teil seines Shugyo Trainings.

Eines Tages sagte dieser Abt zu seiner Katze:
„wenn du Dankbarkeit für meine Liebe als entwickeln kannst,
wirst Du uns Glück bringen“.

An einem Sommer-Nachmittag, Monate später, wurde es laut vor dem Eingangstor zum Tempel. Der Abt traf dort auf 6 Samurais, die auf dem Rückweg von ihrer Falkenjagd kamen. Sie hatten vor dem Templetor ihre Pferde angebunden und erklärten dem Abt: “wir sind gerade an diesem Tempel vorbei gekommen, als uns eine vor dem Tor sitzende Katze mit dem Winken ihrer Pfote eingeladen hat hereinzukommen. Diese Begegnung war für uns so ungewöhnlich, dass wir uns entschlossen haben hier eine Pause einzulegen.”  Der Abt bot ihnen bei angeregter Unterhaltung Tee an als gerade in dem Augenblick ein Unwetter mit Blitz und Donner aufkam. Die einmalige Gelegenheit für den Abt jetzt detailliert über seine buddhistische Lehre und seine Shugyo Übungen ausführlich zu berichten. Die Samurais waren von den Erzählungen des Abtes so begeistert, dass sie noch an Ort und Stelle dem Glauben des Gotokuji Temples beitraten.

Erst jetzt gaben sie sich zu erkennen: „Ich bin Ii Naotaka aus Hikone (bei Kyoto), der von einer Katze in diesen Tempel eingeladen wurde. Durch Ihre Gastfreundschaft konnte ich mich vor dem Unwetter schützen und dabei mehr über Ihre sehr lehrreiche Geschichte über den Buddhismus und Ihr Shugyo lernen. Es war sicherlich der Wunsch und Willen dieser Katze, dass wir hierher kamen. Ab jetzt bitten wir Sie um Aufnahme als Gläubige in ihren Tempel“.

Das war die Ausgangsgeschichte, denn von diesem Moment an wiederfuhr dem Tempel großes Glück. Durch diese Geschichte konnte der Gotokuji Tempel als Familien Tempel der Fürsten Ii, immer größere Spenden einnehmen. Später wurde der Tempelfriedhof sogar zur Grabstätte der Familie Ii und konnte sich zu einem riesigen, heute noch zu besuchenden, Tempelbezirk entwickeln. Das hat alles diese Katze durch ihre Dankbarkeit mit ihrer Einladung in den Tempel erreicht.

Seit dieser Zeit nennt man den Tempel auch Katzentempel. Später wollte der Abt ein Grab für die verstorbene Katze ausheben lassen, damit sie auch im Himmel noch glücklich sein könnte. Dafür hat er die heute bekannte Katzenfigur hergestellt und seine Liebe auf diese Figur übertragen. Die Wirkung blieb nicht aus, das Glück breitete sich ständig weiter aus, dazu kam der Erfolg für gute Geschäfte und die Erfüllung von Wünschen.

Dadurch ist der Gotokuji Tempel im abgelegenen Setagaya-Ku weithin bekannt geworden, der Besucher wünscht sich mit dieser Figur der willkommen-heißenden Katze sein eigenes Glück.
Die schön gestalteten Katzenfiguren können in mehreren Größen gegen eine „Spende“ im Tempel abgeholt werden. Sie werden dann entweder auf dem Gelände zu den Hunderten oder Tausenden von Katzen gestellt, oder wie wir es gemacht haben, mit nach Hause genommen.
Auf jeden Fall strahlen diese weißen Katzen-figuren mit ihren schwarzen Pupillen in ihren gelben Augen, mit ihren roten Halsbändern mit der kleinen Schleife im Nacken, mit den roten Ohrmuscheln und dem goldenen Glöckchen am Halsband eine wundersame Anziehungskraft aus. Sie verbreiten mit ihrer rechten winkenden Pfote Glück und Wohlbefinden. Ihre kunstvolle Form ist schnörkellos, rund und deshalb herrlich zu betrachten, sie zaubern ein Lächeln auf jedes Gesicht, das diese Maneki-Neko anschaut.

Gut, dass Ii – sama von dieser Katze damals in den Gotokuji Tempel gelockt wurde, sie hat bestimmt schon tausenden Menschen zu Glück und Wohlstand und Frieden verholfen, und sie tut es auch heute noch.

Wer die Gelegenheit wahrnehmen möchte, die Adresse lautet:

Gotokuji 2-24-7
Setagaya-Ku,
Tokyo 154-0021
Tel. 03 3426 1437

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Reise zu den „versteckten Christen“ Japans / Teil 5

Amakusa

Die Fahrzeit der Fähre von Kuchinotsu Port in der Nähe des Hara Schlosses nach Oniike auf der Insel Amakusa Shimoshima dauert nur 30 min. Mit uns werden nur noch ein paar kleinere LKWs und Personenwagen befördert. Es sind nur wenige Menschen an Bord. Das Meer ist ruhig.

Von Oniike geht’s per Leihwagen über Amakusa Hondo, dann über eine wild geschwungene Hochbrücke auf die Insel Amakusa Kamishima in Richtung Matsushima unserem heutigen Ziel. Nach 11/2 Stunden haben wir kurz nach der Autobahnausfahrt das Hotel für die kommenden zwei Tage mit dem erwartungsvollen Namen „Ship To The Firmament“  erreicht.
Leider regnet es die ganze Zeit, die Ankunft, ein Beispiel japanischer Gastfreundschaft, findet lediglich unter Regenschirmen statt. Aus dem Hotel stürzen sich zwei Personen bewaffnet mit Regenschirmen auf uns, bitten uns den Wagen so stehen zu lassen, wie wir ihn gerade angehalten haben, nehmen den kleinen Koffer aus dem Kofferraum und geleiten uns unter ihren großen Schirmen in die Empfangshalle des Hotels. Eincheck-Formalitäten, Einweisung, dann fährt uns der Hotelmanager mit einem Golfbuggy für 4 Personen mit Gepäck zu unserem Zimmer.

Es stellt sich heraus, dass der Manager, Fujimoto-san 21 Jahre im Sengokubara Prince Hotel in Hakone gearbeitet hatte und wir gemeinsame Bekannte aus dieser Zeit haben. Er erfüllte uns jeden Wunsch, konnte jede Frage beantworten, er war die Seele des Hotels. Und, er war ein Kind Amakusas, liebte seine Inseln und war froh, dass wir so viele Fragen an ihn richteten. Von ihm lernen wir auch, dass im Amakusa Dialekt „Domo arrigato – Dandan“ – Dankeschön heisst. Ihm für seinen Service ein fröhliches „dandan“…..
Angesprochen auf seinen Super Service antwortete er sehr bescheiden:
„Ichi-go-ichi-e“. Unser Motto! Wenn Du die Chance hast, nutze sie und gib dein Bestes, Du weißt nicht, ob du diese Chance noch einmal haben kannst.

Der Buggy ist natürlich gegen Regen mit einer Plastikhaube geschützt, wir sollen uns nur ja keinem Regentropfen aussetzen.
Das Zimmer liegt neben dem Empfangsgebäude mit Restaurant und Massageräumen. Ist riesig groß mit Holzbadewanne draußen überdacht, gefüllt mit heißem Onsenwasser (Matsushima Onsen). Es gibt zusätzlich zu den eigentlichen Betten ein riesiges weiteres Tagesbett, auf dem man sich lümmeln, Zeitung lesen oder einfach ausruhen kann. Die Terrasse, obwohl es regnet gibt den Blick frei auf das Meer mit vielen kleineren Inseln und einer der fünf Brücken (Amakusa Gokyo) zur Hauptinsel Kyushu mit dem Flughafen Kumamoto. Einfach wunderbar, trotz des Regens. Wir haben Massagen für uns bestellt, vorher ein kurzes Bad im eigenen Onsen, dann gibt es schon die 60 minütige Doppelmassage mit Kräuterölen und vielem Gelächter.

Das Dinner wird im futuristischen Ankunftsgebäude eingenommen. Das Gebäude sieht aus wie ein großes Schiff, daher auch der anmutige Name „Ship To The Firmament“.
Alles hält, was wir erwartet haben. Das Dinner ist japanische/italienisch. Einfach wunderbar. Wir sind begeistert. Auch wieder vom Manager, der beim Service aushalf und uns immer wieder mit keinen Infos überraschte. Auch damit, dass der Boden auf Amakusa nicht geeignet war Reis anzubauen, so dass die Bauern hier arm waren und es wenig zu essen gab. Wir erinnerten uns an den Grund für die Shimabara Revolution, wie sollten solche Leute die hohe Steuerbelastung, die in Reis abgerechnet wurde, tragen können. Wir konnten langsam verstehen warum es damals zur Revolte gekommen war, die von diesen Inseln ausging.

Vor dem Schlafengehen noch einmal ein heißes Bad auf der Terrasse. Luxus.

Das Frühstück am kommenden Morgen ist mehr als opulent, viel zu viel. Wir werden morgen früh weniger bestellen.

Sakitsu

Schon bald fahren wir los zur Inselrundfahrt, wieder zurück auf die Insel Amakusa Shimoshima, unser Ziel war das Fischerdorf Sakitsu mit der Sakitsu Kirche, auf der gegenüberliegenden Seite von Hondo. Wieder ging es über die wild geschwungene Hochbrücke bei Hondo, dann nach Navi quer durch die Insel. Wir hätten uns besser mal die Karte genauer ansehen sollen, uns führt der Weg an den Vulkanen Kadoyama und später Kashiradake entlang, durch dichteste Bewaldung, engste Sträßchen, die meistens nur eine Fahrbahn für uns und den Gegenverkehr bereit hielten. Eine abenteuerliche Fahrt mit dem sparsamen Toyota Prius Hybrid. Hoch und runter, unübersichtlich, eng und nicht enden wollend. Trotzdem auch solche herausfordernden Fahrten sind einmal zu Ende und nach fast drei stündiger Fahrt kommen wir in das kleine Fischerdorf Sakitsu.

Die Kirche fällt sofort auf. Es gibt geräumige Parkplätze für Touristen, allerdings sind und bleiben wir an diesem Vormittag die einzigen, die dort ihren Wagen parken. Unter Regenschirmen zur Kirche, Schuhe ausziehen. Die Kirche ist schlicht, kein Mensch zu sehen, wir kaufen ein Buch über die „Amakusa Christian Sites“ und lernen auch hier wieder, wie die damals „versteckten Christen“ Kreuze in einer Buddha Figur verstecken mussten, wie sie zB. eine Kinderspiel- figur aus Ton als Maria mit dem Jesuskind verehrten, oder Glaubensmedallien in Holzpfeilern verbargen. Auch sehen wir wieder Abbildungen der „Fumi-e“, das sind die kupfernen Marienbilder, auf die die Christen öffentlich treten sollten, um ihren Glauben abzustreiten…..

In den engen Gassen von Sakitsu gibt es nicht viel zu sehen, also machen wir uns auf den Weg zum Shinto Sakitsu Suwa Shrine, dessen Treppe zum Shrine nur wenige Meter entfernt von der Kirche beginnt. Wir kommen nicht weiter, denn vor einem kleinen Gebäude hängen ein paar Männer rum, die uns beäugen. Wir kommen ins Gespräch und finden heraus, dass es die Fischer von Sakitsu sind, die am frühen Morgen ein Shintofest im Shrine gefeiert haben und jetzt zum Mittagessen zusammengekommen sind. Sie laden uns zur Teilnahme ein, Schuhe ausziehen, in der Küche einige ältere Frauen, die Sashimi, Sushi, Tempura und Gemüse vorbereiten und auf die Tische der Fischer bringen. Die sitzen auf dem Tatamiboden im angrenzenden Zimmer und laden uns sofort ein uns zu ihnen zu setzen und mit ihnen zu trinken und zu essen. An den geröteten Gesichtern erkennen wir, hier wurde schon einige Zeit ordentlich Alkohol getrunken. Die Tische bogen sich unter den leckeren Speisen, uns wurde auch alkoholfreies Bier angeboten – und das in Sakitsu, wie wir meinten am anderen Ende der Welt. Es entspann sich ein herrliches Gespräch. Als Deutsche haben wir wohl immer noch einen großen Vorteil vor anderen Ausländern. Es wurde auf die Freundschaft zwischen Japan und Deutschland getrunken, viele Fragen gestellt, die zeigten, dass die Fischer ganz gut informiert waren.  Dann wurde es religiös, wir diskutierten über das Christentum, einige der Fischer waren Christen, anderen wollten nicht so klar mit der Sprache heraus. Dann auf die Frage, wie sich den der Shinto Shrine und die Kirche vertrügen, eine Aussage, die uns staunen ließ:
„Wir Japaner sind sehr großzügig. Wir haben 8 Millionen Götter, da nehmen wir Euren einen Gott auch mit auf. Auf den einen mehr oder weniger kommt es dann auch nicht mehr an“. Alle freuten sich, lachten darüber. Wir wurden in der kurzen Zeit zu Freunden, die meinen sich schon länger zu kennen. Angesprochen auf ihre Gastfreundschaft uns den Fremden gegenüber, war auch hier wieder die Antwort, die wir schon von dem Manager des „Ship To The Firmamaent“ gehört hatten: „Ichi-go-ichi-e“. Da war es auch wieder, unser Motto! Wenn Du die Chance hast, nutze sie und gib dein Bestes, Du weißt nicht, ob du diese Chance noch einmal haben kannst.

Nach dem Gespräch mit den Fischern brachen wir auf, um auf kürzestem Weg zurück zum Hotel auf der anderen Amakusa Insel zu fahren. Für 17:00 war eine weitere Doppelmassage angesetzt.

Wenig Verkehr auf der Route 266 nach Hondo. Plötzlich ein Menschenauflauf in der Ferne. Endlich war was los, wir bogen in eine kleine Seitenstraße ab und parkten unseren Wagen. Was wir dann sahen ließ uns stauen. Der Menschenauflauf bestand aus lebensgroßen, normal gekleideten Pappmaschee Figuren, Plastikhauben über den Pappmaschee – Gesicherten gegen den Regen. Hier wurde ein ganzes Dorf mit ihren Bewohnern abgebildet. Angler, eine Hochzeitsgesellschaft, Bauern, ein Mann in der Badewanne, hunderte von Figuren, alle durch eiserne Stützen in menschlicher Haltung fixiert. Wir waren verwundert, wanderten durch die Gesellschaft und fotografierten.
Anwesend war nur ein älterer Herr unter einem Regenschutz, ihn sprachen wir an und er erklärte uns, dass vor einigen Jahren einige Senioren begonnen hätten solche Figuren herzustellen, “Just for Fun”. Daraus hätte sich das entwickelt was wir heute hier sehen.
Alle Leute des Dorfes machen mit, und jetzt wollen sie ihre Figuren auch auf diesem Feld ausstellen, auch nur zum Spaß. Wir dankten ihm und fuhren weiter.
Der 17:00 Termin rückte näher. Auch das heiße Bad vor der Massage, also ging es wieder über die wild geschwungene Hochbrücke bei Hondo, wir kennen den Weg schon, es läuft wie geplant.

Massagen, Dinner wieder unschlagbar, heißes Bad auf der Terrasse. Am kommenden Morgen ist Abreise nach Kumamoto zur Rückflug nach Tokyo/Haneda.

Rückflug nach Haneda

Diesmal nehmen wir die Strecke über die fünf Amakusa Brücken in Richtung Kumamoto. Teilweise führt die Straße am Meer entlang über die fünf schönen Brücken, die Amakusa mit einer der Hauptinseln Japans, Kyushu, verbindet. Kurz vor Kumamoto, sehen wir Häuser, abgedeckt mit den in Japan so üblichen blauen Plastikbahnen. Wir denken uns nicht dabei, sehen nur, dass es immer mehr werden. Kurz vor der Autobahneinfahrt nach Kumamoto wird dann gewarnt, dass wir wegen der vielen Baustellen nur max. 80 km schnell fahren dürften. Da erst wurde es uns bewusst: vor einem Jahr, am 14. April 2016, gab es in Kumamoto und Umgebung ein großes Erdbeben (Stärke 6.5 – 7.3) mit 225 Toten und Verletzten und dem teilweise stark zerstörten Schloss von Kumamoto. Wir hatten es schon verdrängt, die zerstörten Häuser mit den blauen Plastikbahnen sowie die vielen Baustellen erinnerten uns daran. Wie schnell der Mensch doch verdrängen und vergessen kann!

Die Fahrt dauert ca. 11/2 Stunden, am Flughafen nimmt Toyota den Leihwagen wieder in Empfang und mit ANA geht’s zurück nach Haneda. Der Flug mit entsprechendem Rückenwind dauert nur 1:10 und wir sind zurück in der uns bekannten, hektischen Welt der japanischen Großstädte.

Ein Blick auf unsere einwöchige Reise zu den „versteckten Christen“:
Wir können durch unsere Besuche von Museen und Kirchen in den Präfekturen Nagasaki und Kumamoto bestätigen, was Shusaku Endo in seinem Buch „Schweigen“ geschrieben hat, und was im Film von Martin Scorcese „Silence“ so lebendig gezeigt wird. Der Katholizismus ist dort noch stark verbreitet und es gibt so viele Kirchen, die immer noch von Gläubigen besucht werden, das hat uns erstaunt. Ein Ergebnis dieser Reise: wir wollen hin und wieder unseren Standort und unsere Perspektiven wechseln um unser Gesichtsfeld auch weiterhin verbreitern zu können. Die Freundlichkeit und ausstrahlende Ruhe der Menschen, die wir getroffen haben sind Anreiz wieder auf die Insel Kyushu zu fliegen.

Natürlich ist der Atombombenabwurf am 9.8.1945 in Nagasaki immer in unseren Köpfen geblieben. Ob der Unsinn mit der Atombombe zu drohen jemals aufhören wird. Darauf war unsere Antwort auch: „Schweigen“.

Dass wir „ichi-go-ichi-e“ zweimal während unserer Reise gehört haben, zeigt uns, es gibt noch immer Menschen, die die alten Weisheiten der Japaner in die „Neuzeit“ gerettet haben, ohne sich dabei verstecken zu müssen.

 

 

 

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Reise zu den „versteckten Christen“ Japans / Teil 4

Hirado

Der nächste Tag führt uns mit dem Auto nach Hirado. Zwei Stunden Fahrt zu einem weiteren Versteck der frühen Christen und dem Sterbeort des britischen Navigators William Adams. Er ist bekannt als Anjin-san aus dem Film „Shogun“ (1975, nach dem Roman von James Clavell) und der erste Brite in Japan. Er kam um 1600 mit der „De Liefde”, einem holländischen Handelsschiff nach Japan. Adams war neben Jan Joosten auch der erste Ausländer, der es in Japan zum Samurai gebracht hatte. Mr. Adams starb 1620 in Hirado.

Die Autofahrt von Nagasaki nach Hirado dauert 2 Stunden, sie führt zunächst über eine gut ausgebaute Autobahn, dann über einspurige Landstraßen. Im Hafen von Sasebo sahen wir von der über die Stadt gelegten Autobahn japanische und amerikanische Flottenverbände liegen. Dann ging es über die in roter Farbe gestrichene Hirado Hängebrücke auf die Insel Hirado, die noch zur Präfektur Nagasaki gehört. Sofort sticht das Hirado Castle ins Auge. Hoch über dem Meer gelegen beherrscht das Schloss seit 1718 die Insel. Hirado hatte sich bis zur Abschließung Japans (Sakoku) zum internationalen Hafen entwickelt. Bereits Anfang des 7. Jahrhunderts gab es von dort aus regelmäßigen Schiffsverkehr nach China. Auf Hirado hielt sich auch Kukai (Kobo Daishi )  auf bevor er sich nach China einschiffte, um mehr über den Buddhismus zu lernen.

Die ersten holländischen und britischen Handelshäuser wurden in Hirado schon 1609 bzw. 1613 errichtet. Die Engländer zogen sich allerdings schon 1623 aus dem Handel in Hirado zurück. Die Holländer mussten dann 1639 notgedrungen ihre Aktivitäten wegen Sakoku einstellen, sie durften ab 1641 nur noch von der leicht zu kontrollierenden Insel Dejima im Hafen von Nagasaki Handel betreiben.

Was uns in Hirado interessierte war die unmittelbare Nachbarschaft von der katholischer Francis Xavier Gedächtnis Kirche und dem sich nahtlos anschließenden buddhistischen Tempel und Shinto Shrine. Verbunden sind die drei religiösen Stätten durch einen langen Treppen-Weg, der unmittelbar hinunter vom Friedhof neben der Kirche zum buddhistischen Tempel führt. Wir empfanden so etwas wie Koexistenz, aber auch einen gewissen Wettbewerb zwischen dem „Einen christlichen Gott“, Buddha und den 8 Millionen japanischen Göttern des Shinto. Wir diskutierten über die Frage im Film „Silence“, wessen Gott bzw. Götter nun allmächtiger seien. Es gab keine Antwort, eben nur „Schweigen“. Im Film wurde das damals von den Japanern beschriebene Gefühl der Unterlegenheit geschildert, wenn von christlicher Seite behauptet wurde, dass der „Eine Gott“ den 8 Millionen, unendlichen vielen, aber ohnmächtigen Shinto Göttern überlegen sei. Als Beweis für die Überlegenheit des „Einen Gottes“ wurde angeführt, dass die Shinto Götter eben nur als Menschen, Ahnen, als Berge, Bäume oder als Naturgewalten letztendlich nichts ausrichten könnten.

Auffällig auch die vielen katholischen Kirchen im weiteren Umkreis, trotz Verfolgung und Folterung haben Christen auch auf Hirado bis heute überlebt. An einer Stelle, an der Christen umgebracht worden sind, steht heute das Christliche Museum, in dem Gegenstände für religiöse Zeremonien aus der Zeit gezeigt werden, die von den „versteckten Christen“ hinter doppelten Wänden, in Fußböden oder speziellen Behältnissen über Jahrhunderte versteckt wurden. Auch über Hirado weht ein Wind des Märtyrertums.

Ein Erinnerungsstein an William Adams, Anjin-san, steht auf der im alten Stil wieder aufgebauten Hauptstraße. Wir hatten den Eindruck, dass versucht wird das kleine Städtchen mit dem Fähr- und internationalen Hafen so zu gestalten, dass die Erinnerung an die „versteckten Christen“ und an Hirado als früheres Handelszentrum Japans wachgehalten werden soll. Es geht ja immerhin um eine Anerkennung als Weltkulturerbe.

Was uns besonders gut gefallen hatte, war ein kleines Restaurant. Wir haben dort  ein hervorragendes Lemon Steak gegessen, auf dem Tischgrill gebratenes Wagyu Rindfleisch aus der Region mit Zitronen Scheiben.

Shimabara Rebellion
Für uns war die Zeit gekommen von Nagasaki mit einer Fähre zur Insel Amakusa umzuziehen. Auf dem Weg dorthin kommen wir nach einer ein-ein halbstündigen Fahrt nach Minami Shimabara City, Heimat des „Arima Christlichen Museums“ und den Überresten des einst mächtigen Hara Castles direkt hoch über dem Meer gelegen.

Im Museum wollen wir uns über die Shimabara Rebellion, der die Schließung Japans folgte, unterrichten lassen. Die Geschichte wiederholt sich. Schlechte Ernten hervorgerufen durch Taifune und unergiebige Böden, hohe Steuern auf alles Mögliche wie Heizmittel, für Fenster, Eingangstüren, für Geburten und Todesfälle machten die armen Bauern noch ärmer als sie sowieso schon waren. Christen wurden verfolgt und wer seine Steuern nicht bezahlen konnte wurde zudem gefoltert durch Sitzen in mit heißem Wasser gefüllten Becken, Hängen mit dem Kopf nach unten ohne Bekleidung (dies soll die schlimmste aller Folterungen gewesen sein) oder eingehüllt in trockenes Stroh und dann angezündet. Solche Methoden gehörten in dieser Zeit zum Alltag der allmächtigen Fürsten. Menschen wurden schlimmer behandelt als Tiere.

Die meisten Menschen in der Umgebung von Shimabara und Amakusa waren Christen. Einige von ihnen waren wegen des öffentlichen Drucks allerdings wieder zum Buddhismus bzw. Shintoismus zurückgekehrt. Schnell verbreitete sich dadurch das Gerücht, dass die Menschen gerade wegen dieser Übertritte so leiden müssten. In Predigten hatten sie gehört, dass vor Gott alle Menschen gleich wären. „Warum werden wir dann wie Pferde und Kühe behandelt? Wir fragen nicht nach Essen, wir bitten nicht um unser Leben, aber wir bestehen darauf, dass wir trotz unserer hoffnungslosen Situation doch als Menschen behandelt werden wollen!“ Ein starker Wunsch, der sich in den Köpfen und Herzen der Menschen festsetzte, die sich vorher nicht getraut hatten sich derartig zu äußern.

Vor Jahren hatte ein Pater vor seinem Tod prophezeit, dass eines Tages ein Kind Gottes erscheinen würde um alle Menschen zu retten. Das machte den gedemütigten Menschen Hoffnung und ermutigte sie sich zur Wehr zu setzen.

1637 war der Höhepunkt der Demütigungen erreicht. Unter Führung des erst 16 Jahre jungen Shiro Tokisada, später als Amakusa Shiro bekannt, versammelten sich 37.000 Männer und Frauen der nahe gelegenen Insel Amakusa zum Aufstand. Die meisten von ihnen waren Christen, auch herrenlose Samurai, Bauern und Fischer, alle meist nicht für den Kampf ausgebildet. Amakusa Shiro wurde verglichen mit Jeanne d’Arc, die 200 Jahre vor ihm zur charismatischen Anführerin ihrer Armee wurde.

Der Aufstand gegen die Unterdrücker begann. Der Schlachtruf der Aufständigen:
„Stirb und komm ins „Paraiso“ (Paradies), das ist besser als weiter in der Hölle zu leben. Selbst wenn wir getötet werden, wir bleiben für immer Freunde im Jenseits.“

Diese Truppe besetzte zunächst das am Meer liegende, zu der Zeit leer stehende Schloss Hara. Sie mussten es dann allerdings gegen eine Übermacht von 120.000 gut ausgebildeten Kämpfern des Tokugawa Bakufu (Regierungstruppen) und gegen die Kanonen eines von der Regierung um Hilfe gebetenen, holländischen Handelsschiffes, verteidigen. Die Truppe von Amakusa Shiro wurde kurzerhand ausgehungert und in einer fürchterlichen Schlacht aufgerieben. Shiro wurde enthauptet, die restlichen 37.000 Männer, Frauen und Kinder, die für ihre Freiheit gekämpft hatten, starben im zerstörten Hara Castle.

Die größte Revolution der japanischen Geschichte hatte am 28. Februar 1638 ein blutiges Ende gefunden. Aus Angst vor weiteren Aufständen und Verlust der Macht verbot der Tokugawa Shogun jeden weiteren Austausch mit Ausländern. Sakoku, die Schließung Japans, begann und dauerte weit über 220 Jahre an.

Auf dem Plateau des ehemaligen Hara Castle steht heute ein Monument mit der Inschrift:
„Dies ist eine Erinnerung an alle, die ihr Leben in der Shimabara Revolution verloren haben.“

Wir wanderten über diesen menschenleeren Platz, der einst das Zentrum des Hara Schlosses gewesen ist und schauten schweigend über das Meer. So also mussten Menschen vor fast 400 Jahren für ihre Freiheit und ihre kleinen Rechte kämpfen und auch dafür sterben. Dennoch, ihre Nachfahren haben mit ihrem christlichen Glauben Generationen überlebt, indem sie im Geheimen u.a. buddhistische Figuren zu christlichen Maria und Jesus Figuren umwidmeten, Kreuze auf nicht sichtbare Stellen an Grabsteinen anbrachten und in unentdeckten Räumen beteten. Wenn bei buddhistischen Beerdigungen der Mönch die Sanskrit Sutren vortrug, neutralisierten sie diese dadurch, dass sie einen Rosenkranz in einen mit geweihtem Wasser gefüllten Krug eintauchten und wieder herauszogen, im Stillen sprachen sie dazu christliche Gebete. Das alles aus der Angst heraus, dass der Verstorbene wegen der buddhistischen Zeremonie und ohne mit den christlichen Sterbesakramenten versehen, nicht ins „Paraiso“ kommen könnte.

1873 war der Spuk vorbei, von der Regierung unter Kaiser Meiji wurde Religionsfreiheit zugesichert. Es wurden wieder Kirchen gebaut, die heute noch ihren Gemeinden dienen und über deren Besuche wir geschrieben haben.

Nach der geschichtlichen Auffrischung im Museum und dem Besuch des Hara Schlosses setzen wir mit der Fähre über nach Amakusa in Kumamoto Präfektur. Es dauerte nur 30 Minuten und wir waren auf der nächsten Insel, auf der sich über zwei Jahrhunderte Christen vor Verfolgung durch die Regierungstruppen des Tokugawa Shoguns versteckt hatten.

 

 

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Reise zu den “versteckten Christen” Japans / Teil 3

Nachdem wir in Nagasaki unsere erste Berührung mit den „versteckten Christen“  bekommen haben, wollen wir uns jetzt auf Spurensuche nach diesen ersten Christen begeben, die vor ca. 500 Jahren in der Umgebung von Nagasaki gelandet sind. Auch für uns geht die Geschichte Japans durcheinander. Wann fand was statt, die Landung der ersten portugiesischen Padres, die Gründe für die schnelle Verbreitung des Christentums in Japan, später die Gründe für die Verbote, Verfolgung, Folter und Kreuzigungen, die Abgeschlossenheit (Sakoku) Japans bis zur Wiederzulassung der Religionsfreiheit sowie die Anzahl der Christen im Verhältnis zur Bevölkerung. Deshalb zunächst einmal kleine Zahlenspiele zur Orientierung und als Grundlage:

Bevölkerung Japans und Anteil der Christen
Bei einer heutigen japanischen Bevölkerung von ca. 128 Mio. wird die Anzahl der Christen auf  etwa 2 Millionen geschätzt, das würde bedeuten, dass 1,5% der japanischen Bevölkerung heute als Christen bezeichnet werden können. Alleine in der Provinz Nagasaki sind 65.000 Katholiken ansässig.

Im Jahr 1630, in dem das Christentum in Japan seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, dann verboten wurde, lebten ca. 18 Mio. Menschen in Japan. Schätzungen des Vatikans zufolge gab es damals 300. – 400.000 Christen, was einem Durchschnitt von 2% entsprechen würde.

Ein Blick zurück in die Geschichte…

1517 : Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an die Wittenberger Kirche
1543 : landeten die ersten Portugiesen auf der Insel Tanegashima in Japan
und stellten dort erstmalig ihre Gewehre vor.
In Europa prägte Nikolaus Kopernikus unser heutiges heliozentrisches Weltbild.
1549 : Pater Francis Xavier, ein portugiesischer Jesuiten Pater, kommt nach Nagasaki
1550 : eröffnet Xavier die erste Missionsstation in Hirado, heute in der Präfektur Nagasaki
1563 : taufte Xavier den mächtigen Fürsten Omura Sumidata (1533-1587) und bekommt
mit Fürst Omura einen mächtigen Fürsprecher für die Verbreitung des katholischen
Glaubens in Japan.
1569 : Fürst Oda Nobunaga, der einflussreiche Vorkämpfer für die Einheit Japans,
(der als erster das von den vielen Kriegen unter den Fürsten (Daimyo) zerrüttete Japan einigen wollte), erteilt die Erlaubnis in Kyoto, der damaligen Hauptstadt Japans, eine katholische Mission zu errichten.
Der katholische Glauben konnte sich somit offiziell in Japan verbreiten.
1570 : entscheidet sich die Jesuitische Gemeinde und Fürst Omura Sumidata Nagasaki als Handelshafen anzulegen, so dass sich Nagasaki ab 1571 vom kleinen Fischerdorf zum internationalen Handelshafen entwickeln kann.

Hier wurde der sogenannte „Nanban Trade“ (Handel mit den Süd-Barbaren – den Portugiesen über Indien, Philippinen etc.) abgewickelt. Import von Rohseide und Textilien, Medizin, Waffen und Kunstwerken. Export von Lackwaren und Kunstgegenständen.
Um es mit den Zahlen nicht allzu trocken zu gestalten, eine kleine Story zum Nanban Trade:
Im japanischen Restaurant SUMI in Düsseldorf ist eine unserer Lieblingsgerichte „Chicken Nanban“, das kommt aus der  beschriebenen Zeit und bedeutet gebackene Hühnchen mit süßlich pfeffriger Tartar Soße (indische Gewürze, fremdartiger Geschmack). Japaner nennen heute übrigens solche exotische, s.g. Ethnic Cuisine – Nanban Ryori.

1579 : 26 Märtyrer werden in Nishizaka, Nagasaki, gekreuzigt
1582 : Der Gregorianische Kalender wird in vielen katholischen Ländern eingeführt
1587 : Toyotomi Hideyoshi, Nachfolger des bei einem Attentat ums Leben gekommenen
Oda Nobunaga, lässt christliche Missionare ausweisen
1598 :Tokugawa Ieyasu, der erste Tokugawa Shogun, erlaubt Franziskaner Padres
in Japan zu missionieren und weitet den Handel mit Manila auf den Philippi-
nen aus.
1602 : beginnen auch Dominikaner vom St. Augustin Orden in Japan zu missionieren,
der Handel mit dem Ausland weitet sich aus.
1614 :Tokugawa Ieyasu verbannt das Christentum in Japan, untersagt jedes Missio
narisches Arbeiten, aber im Geheimen geht die Missionsarbeit weiter
1618 : In Mitteleuropa beginnt der 30 jährige Krieg (-1648 zum Westfälischen Frie
den)
1633 : Die Padres Gonzales und Lorenzo Ruiz werden in Nagasaki gefoltert und er-
schlagen
1635 : Sakoku Edikt – Abschottung Japans unter dem Tokugawa Shogunat beginnt,
um den wachsenden ausländischen Einfluss auf die japanische Politik zu be
enden
1637 : Christliche Bauern revoltieren gegen zu hohe Abgaben (Shimabara Rebellion)
1644 : Die japanische Kirche arbeitet nur noch im Geheimen im Untergrund
1853 : Admiral Matthew Calbraith Perry erzwingt die Öffnung Japans,
Ende der Abschottung – Sakoku
1854 : Matthew Perry zwingt Japan zur Unterzeichnung des Handelsvertrags mit
Amerika, später folgen Verträge mit Frankreich und anderen Ländern,
Öffnung Japans
1865 : Die „versteckten Christen“ bekennen sich zu ihrem Glauben an der Oura Ka
thedrale in Nagasaki
1871 : Gründung des Deutschen Reichs

Das ist die Zeitspanne, in die wir uns zurückversetzen als wir von Nagasaki aus auf Spurensuche gingen.

Der Jesuitenpater Francis Xavier ging in Belem vor Lissabon an Bord eines Segelschiffes nach Goa und von da landete er 1549 auf der japanischen Insel Kyushu, im Süd-Westen Nagasakis. Bis zu seiner Ankunft gab es in Japan den traditionellen Shinto Glauben mit seinen polytheistischen acht Millionen (das heißt unendlich vielen) Göttern mit der am heiligsten verehrten Sonnengöttin „Amaterasu-Omikami“, der mythischen Begründerin des japanischen Kaiserhauses (siehe auch unseren Bericht über den Ise Jingu ). In der Zeit um 600 wurde dazu der Buddhismus eingeführt. Buddhismus und Shinto koexistieren seit dieser Zeit in Japan

Seit 1192 tobten unter den Daimyos härteste Kämpfe um die Vormachtstellung in Japan. Das Land war durch die vielen Kriege in einem chaotischem Zustand, gerade zu der Zeit, als Nobunaga Oda Japan so einigermaßen vereinigt hatte, landete Pater Xavier 1549 in Nagasaki und verbreitete den christlichen Glauben. Die Menschen, Bauern und Fischer, waren sehr arm, die Abgaben an ihre lokalen Fürsten hoch, sie waren ständigen Repressalien ausgesetzt, und sie wurden nicht als Menschen geschätzt und behandelt. Dann kamen diese sanften, smarten, ausländischen Padres, die sie zum ersten Mal als Menschen betrachteten, ihnen halfen ihren harten Alltag zu erleichtern und ihnen versprachen, dass sie mit den heiligen Sakramenten versehen nach ihrem Tod ins Paradies einziehen würden. Erst war es die Neugier der Fürsten an der fortschrittlichen europäischen Kultur, dann kamen dazu ihre geschäftlichen Interessen. Die armen Leute, die Bauern und Fischer träumten vom Paradies.
Wer ist dann nicht offen für eine neue Religion der Jesuiten?

Das repressive Umfeld, die Behandlung als Menschen, die Unterstützung den Alltag erträglicher zu machen und das Versprechen auf das Paradies nach dem Tod eröffnete den Padres das Herz der damaligen Menschen. Es entwickelte sich eine Marienverehrung. Dazu kam, dass Japaner, wenn einmal überzeugt, ernsthaft den neuen Glauben annahmen und ihn dann auch in ihren Alltag integrierten. Bei den am Christentum interessierten Fürsten gab es solche, wie beispielsweise der Fürst Omura Sumidata, die von der Religion überzeugt waren und dann zu Christen wurden. Andere ließen sich taufen, um nur ja nicht die Zeichen der Zeit, d.h. das neue Geschäft mit den Nanban-jin, den Südbarbaren zu verpassen.

Shusaku Endo und sein Buch „Schweigen“
Über all das hat der japanische Schriftsteller Shusaku Endo (1923-1966) das Buch „Schweigengeschrieben, in dem er von der enormen Kraft des menschlichen Glaubens und dem Überlebenskampf des portugiesischen Priesters Rodrigo berichtet.
Er schildert die Verfolgung der Christen durch das japanische Shogunat. Wobei bei all dieser Grausamkeit der damaligen Zeit zur Durchsetzung der Abschottung Japans, immer wieder die Frage gestellt wird: „Wie kann Gott dabei zusehen und schweigen?“ Überhaupt scheint „Schweigen“ bei Folter und Ungerechtigkeit auch für den Einzelnen die einzige Möglichkeit zu sein zu überleben….

Das Buch von Shusaku Endo wurde von Martin Scorcese 2016 als Film „Silence“ verfilmt.

Wir besuchen, etwa eine dreiviertel Stunde mit dem Auto von Nagasaki entfernt, in Sotome zunächst das Shusaku Endo Museum, um uns einen Überblick über sein Werk „Silence“ zu verschaffen. Er ist einer der größten zeitgenössischen Schriftsteller Japans. Das Museum liegt direkt oberhalb der Sumo See mit weitem Blick über kleinere Felsen im Meer in Richtung der Goto Inseln, auf der sich die meisten Christen der Verfolgung entziehen wollten. Wir entdecken nicht weit entfernt Felsgruppen im Meer, die an die Eingangsszenen aus dem Film „Silence“ erinnern und fühlen uns, auch weil wir alleine im Museum sind, in die Zeit Mitte des 17. Jahrhunderts versetzt. Hier spielte sich das ab, was Endo in seinem Buch beschrieben hat. Wir können es förmlich spüren.

Pater de Rotz und Ohno Kirche
Ganz in der Nähe, weit oben in den hinter den vom Meer her steil aufsteigenden Bergen liegt die Ohno Kirche, die von einem französischen Pater de Rotz, im Japanischen Pater DoRo, 1893 erbaut wurde. Sie dient noch heute 26 Familien in der Umgebung als Ort für Gebet und Zusammenkünfte. Vor der kleinen Kirche aus Felssteinen gebaut, die weiße Marienstatue. Das kleine Gebäude ist architektonische Grundlage für die Menschen in Sotome.

Von Pater DoRo (seit 1873 wurde die Religionsfreiheit in Japan wieder eingeführt, er kam 6 Jahre später nach Shitsu in die Sotome Gegend) haben sie gelernt wie man Tsunami-resistente Gebäude errichten kann, welche Dachkonstruktion zu wählen ist und wie das steil aufsteigende Land durch abgestützten Terrassenbau bewirtschaftet werden kann. Innen ist die kleine Kirche sehr einfach gehalten, fast frugal. Die Fenster sind geöffnet, wir können uns dadurch die Details des Altars an-sehen, einfach, wirklich sehr einfach. Von hier oben kann der Blick unge-stört über das Meer schweifen, immer wieder diese kleinen Felsgruppen, die uns an den Film erinnern. Wir fühlen uns tatsächlich zurückversetzt, unsere Gedanken schweifen ab. In diesem kleinen Gebäude, errichtet 1893 können wir erkennen, was es bedeutet haben muss, Mitte des 17. Jahrhunderts Christ in Japan gewesen zu sein. Dabei erinnern wir uns an den Spruch auf dem „Silence“ Monument in der Nähe von Endos Museum: „Menschlichkeit ist so traurig, Gott, und der Ozean ist so blau“.

Pater Bastian
Auf einem kleinen Schild lesen wir, dass die versteckte Waldhütte des japanischen Bruders Bastian nur ein paar Kilometer entfernt zu finden ist. Wir fahren auf abenteuerlichen Wegen mit unserem Carsharing Toyota der angegeben Route nach. Verfranzen uns immer tiefer in endlosen Wäldern, auf- und abführenden Wegen, bis wir nach doch längerer Zeit einen Hinweis auf die Hütte von Bruder Bastian finden. Wir fahren in den Waldweg hinein, müssen aber feststellen, dass das eine Sackgasse ist. Also Rückwärtsgang und mit aller Fahrkunst auf engstem Raum kommen wir auf den Abzweig zurück, wo wir das Auto einfach am Wald stehen lassen und zu Fuß zur Bastian Hütte marschieren. Der Weg wurde für Leute wie uns von helfenden Händen ausgebaut, aber jeden Schritt, den wir tiefer in den Wald nach unten gehen, müssen wir später wieder aufsteigen. Unsere Neugier und das Gefühl einmal zu verstehen, wie es sich angefühlt haben muss, so tief versteckt im Wald zu leben, treiben uns weiter.

Pater Bastian war ein japanischer Bruder, der in den 1640 er Jahren anstelle der geflüchteten oder bereits getöteten portugiesischen Padres aus dem Untergrund heraus Taufen und Gebete mit der Gemeinde abhielt. Er musste sich in der Hütte, die wir suchten,  verstecken. Dort hatte er, tief im Wald verborgen gelebt und seine Christen in der sehr weiten Umgebung betreut. Immer unter dem Eindruck von den Regierungstruppen gefunden und dann gefoltert und getötet zu werden.

Endlich hatten wir die Steinhütte gefunden. Natürlich sorgsam gepflegt und wiederaufgebaut. Diese Stelle zu finden dürfte in den Jahren 1640 und folgenden schwierig gewesen sein, doch die Gefahr seiner Entdeckung können wir auch heute noch nachvollziehen. Wir möchte keine Nacht hier verbringen. Im Inneren gibt es kleine Gebetsstellen, wir nehmen an, dass heute noch Gläubige hierherkommen, um Bruder Bastian auch viele Jahrhunderte später dankbar ihre Aufwartung zu machen und mit ihm zu beten.
Als wir danach weiter zur Shitsu Kirche fahren, kommen wir an einzelnen kleineren Höfen vorbei, hier haben sicherlich die damaligen Gläubigen gewohnt, ihre Nachkommen sind immer noch Christen und wohnen weit ab von den „Errungenschaften“ unserer modernen Zeit. Unsere Gespräche und Vorstellungen, wie diese Leute die lange Zeit des Versteckens als Christen, über mehrere Generationen hinweg, durchgehalten haben, lässt uns fragen: wie stark muss ein Glaube sein, um im Verborgenen über die Zeitspanne von 250 Jahre Christ zu bleiben? Was ist es, das diese Menschen noch immer fest an Gott glauben lässt? Was ist das Samenkorn, das die Padres aus dem fernen Portugal den Menschen hier vor so langer Zeit eingepflanzt haben und das noch heute als Glaube an Gott aufgeht? Warum konnte der Glaube an den Einen Gott im Gegensatz zum japanischen Shinto mit seinen unzähligen Göttern so lange überleben?
Unsere Antwort darauf war allerdings auch „Schweigen“. Oder hatte Bruder Bastian recht, der seiner Gemeinde 30 Jahre nach der Verbannung der Christen prophezeit hatte: „Jeder von Euch  soll mein Sohn und meine Tochter sein bis hin zur siebten Generation. Dann wird ein Priester mit einem schwarzen Schiff kommen und Ihr werdet Euch jeden Tag zu Euren Glauben bekennen können.“  So ist es dann auch gekommen. Das schwarze Schiff waren die Amerikaner, die unter Admiral Matthew Perry Japan zunächst zur Öffnung des Landes und danach zur Unterzeichnung eines Handelsvertrags mit Amerika, Frankreich und anderen Ländern gezwungen hatten. Das bedeutet die Öffnung Japans. Wir waren der Erklärung für die über Generationen hinweg, lange Ausdauer der „versteckten Christen“ näher gekommen.

Shitsu Kirche
Wir versuchen eine Antwort in der Shitsu Kirche zu erhalten. Nur wenige Kilometer entfernt von der Hütte des Bruders Bastian. Hier wirkte wieder der Franzose Pater de Roz auch DoRo genannt und ließ die Kirche 1882 bauen. Die Außenmauern des langgezogenen Kirchenschiffes  sind niedrig gehalten, sie müssen den starken Winden vom Ozean, der Somo See, standhalten.

Auch hier wieder, wie überall in Japan, wenn man in Gebäude eintritt: Schuhe ausziehen, auf Socken in die kalte Kirche. Wir treffen auf einen älteren Herrn in der gelben Jacke, die ihn als Christen im  Ehrenamt ausweisen, im Gespräch mit zwei Damen – Mutter und Tochter. Sofort kommen wir mit den Dreien in eine Diskussion über das Christentum in Shitsu. Er berichtet uns, dass um die Zeit der Olympiade 1964 in Tokyo die Anzahl der Christen in der Umgebung immer weiter abgenommen hätte, die jungen Leute wären damals nach Tokyo abgewandert und auch nicht mehr zurückgekommen, die Gemeinde bestehe mehr oder weniger aus älteren Leuten. Er bedauere dies, aber irgendwie hat er aufgegeben. Uns scheint es, als verwalte er hier das Erbe des Padre DoRo. Hier glaubten wir auch, dass das von uns gesuchte Samenkorn gefunden zu haben: Trotz aller Nachstellungen, Gefahren und Hindernisse wollten die Menschen ihrem Glauben treu bleiben und ihn weitergeben. Dies wollen sie tun, schon aus Respekt gegenüber ihren Vorfahren und aus der Verpflichtung gegenüber ihrem Glauben. Dafür hatten die Vorfahren so sehr gelitten und sich so lange verstecken müssen – das kann man nicht einfach aufgeben. Dieses Samenkorn als Erklärung zusammen mit der Prophezeiung von Bruder Bastian beendete unser „Schweigen“.
Wir glauben eine logische Erklärung dafür – warum die Christen so lange ausgehalten haben – gefunden zu haben. Jetzt schließt sich auch der Kreis für uns, wenn wir uns daran erinnern, wie für Pater Petitjean an der Oura Kathedrale in Nagasaki das „Wunder der versteckten Christen“ Realität wurde. Er hatte immer gehofft, dass er eines Tages wieder auf Christen treffen würde, die trotz  Unterdrückung und Verfolgung 250 Jahre nicht aufgegeben haben.

Die beiden Damen waren übrigens keine Christen.

Im Gespräch kamen wir natürlich auch auf Shusaku Endo zu sprechen. Von seinem Buch und dem Film von Scorcese wird erwartet, dass die Gegend zum Touristikziel wird, und dass die Kirchen in die Liste der Weltkulturerben aufgenommen werden. Wir wünschen es ihm. Eine solche natürliche Schönheit, das Meer, die Wälder und die Geschichte. Läge die Gegend in Europa, sie wäre schon längst besiedelt worden mit schicken Wochenendhäusern der gut verdienenden Bevölkerung hier aus Nagasaki.

Wir verließen Shitsu mit dem Gefühl, dass das Christentum die moderne Zeit nicht sehr lange überleben lassen wird. Wir hoffen aber, dass wir uns irren.

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Reise zu den “versteckten Christen” Japans / Teil 2

Mr. Glovers Garden
Minami Yamate, der südliche Hügel vor Nagasaki mit dem Blick über die Stadt, den Hafen und die Mitsubishi Schiffswerft. Hier hat Thomas Blake Glover (1838 – 1911), Mr. Glover, nach Öffnung Japans im Jahr 1863 die ersten eindrucksvollen westlichen Häuser und Gärten anlegen lassen, die heute zum Touristenspot No. 1 in  Nagasaki geworden sind. Seine Geschichte ist eng verbunden mit der Modernisierung Japans.

Mit 21 Jahren kam Mr. Glover im Jahr 1859, in dem Jahr als die Häfen Japans nach 250 Jahren Abgeschlossenheit wieder geöffnet wurden, nach Nagasaki. Er gründete Glover Trading Company und entwickelte sich vom Händler u.a. auch im Waffenhandel zum führenden Geschäftsmann mit weitreichenden politischen Verbindungen. Er ist der Vater des japanischen „Kirin“ Biers, der später von Mitsubishi übernommenen Werften sowie der japanischen Kohlenbergwerke. Trotz damaligen Verbots in den unruhigen Zeiten der Meiji Restoration schickte er die ersten japanischen Studenten auf seine Kosten zum Studium nach England. Die Geschichte der Industrialisierung Japans von Nagasaki aus geht auf die Herren Thomas Blake Glover, Robert Neil Walker, William Alt, Thomas Albert Glover, Yanosuke Iwasaki (Mitsubishi) und Frederick Ringer zurück. Sie alle wohnten in den westlichen Häusern, noch heute auf dem Gelände von Glovers Garden zu besichtigen.

Puccini & Madam Butterfly
Interessant ist, dass in Mr. Glovers Garden ein Monument des bekannten italienischen Komponisten Giacomo Puccini zu finden ist. Daneben eines von Tamaki Miura, der ersten japanischen Opernsängerin mit internationalem Ruf. Ihre bekannteste Rolle war in Madam Butterfly.    Die Geschichte von „Madame Butterfly“ geht zurück auf eine fiktive Erzählung einer Engländerin, die sich vorgestellt hatte, wie Madame Butterfly in einem Haus wie dem von Mr. Glover gelebt hatte. Als Puccini von dieser damals exotischen Geschichte hörte, komponierte er die Oper „Madame Butterfly“. So kommt es zur Verbindung von Mr. Glovers Garden in Nagasaki zu Puccini und „Madam Butterfly“.

Die Oura Kathedrale
Von Mr. Glovers Garden konnten wir die vielen Kirchen in Nagasaki sehen. Ganz in der Nähe auf dem südlichen Hügel liegt die Oura Kathedrale (Basilika der 26 Märtyrer). Dort 1864 von französischen Priestern von der „Societe des „Mission Etrangeres“ erbaut. Es waren die Brüder Louis Furet und Bernard Petitjean, die mit dem Auftrag nach Nagasaki kamen eine Kirche zur Erinnerung an die 26 Märtyrer zu errichten, die 1597 in Nagasaki gekreuzigt worden waren.

Zur Oura Kathedrale  gibt es eine bewegende Geschichte, die von Papst Pius IX zum „Wunder des Orients“ erklärt wurde, und die der Ausgangspunkt ist, warum man heute in Japan von den „Versteckten Christen“ in Japan spricht. Im März 1865, kurz nach Vollendung der Kathedrale beobachtete Bruder Petitjean eine Gruppe von Menschen vor seiner Kathedrale, die ihn um Einlass baten. Als er am Altar kniete trat eine alte Frau an ihn heran und sagte:  „Wir teilen die gleichen Gefühle in unseren Herzen wie Sie. Wo ist die Statue der Jungfrau Maria?“
Im nachfolgenden Gespräch fand Bruder Petitjean heraus, dass es sich um „versteckte Christen“ aus dem nahe gelegenen Urakami Dorf (heute Stadtteil von Nagasaki mit der Urakami Kathedrale) handelte. Sie waren die Nachkommen der frühen japanischen Christen, die sich nach der Shimabara Rebellion 1630 vor Verfolgung durch die Regierung verstecken mussten, oder so taten als seien sie keine Christen und deshalb ihre Gebete und Zusammenkünfte nur im Verborgenen abhielten.

Um an diesen Vorgang zu erinnern wurde aus Frankreich eine Marien Statue eingeführt. Vor der Kirche ist heute ein Relief zu sehen, das die  Entdeckung der „versteckten Christen“ von 1865 plastisch darstellt. Seit dieser Zeit sind in der Umgebung von Nagasaki zehntausende „versteckte Christen“ aus dem Untergrund in die Öffentlichkeit getretenen. Als diese Geschichte den Vatikan erreichte, hat Papst Pius IX dies zum „Wunder des Orients“ erklärt.

Von hier aus haben die Katholiken dann zur weiteren Verbreitung des Christentums in der Region beigetragen. Heute ist die Oura Kathedrale mit ihren Seminar Gebäuden zum Zentrum der katholischen Mission in Japan geworden. Diese Geschichte ist der eigentliche anlass für unsere Reise nach Nagasaki und Amakusa. Wir wollen verstehen warum Shusaku Endo das Buch für den gleichnamigen Film von Martin Scorcese „Silence“ – Schweigen geschrieben hat und was wir heute noch aus dieser Zeit entdecken können.

Dejima
Während der ca. 250 Jahre (1639 – 1854), in denen Japan keine Ausländer ins Land ließ, war es nur chinesischen und holländischen Schiffen erlaubt in Nagasaki anzulegen um kontrollierten Handel zu betreiben. Der heutige Stadtteil Dejima lag auf einer im Hafen aufgeschütteten Insel, sie war als Ghetto leicht zu überwachen. Dejima diente als Wohn- und Arbeitsbereich ausländischer Kapitäne, von Schiffsbesatzungen und für die chinesischen und holländischen Händler. Noch heute kann die Replik im liebevollen Detail besucht und besichtigt werden. Hier hatten also Chinesen und Holländer gewohnt und gearbeitet und als Fenster zur Welt gedient. Dejima lag ursprünglich direkt vor dem Hafen, zwischenzeitlich ist es allerdings etwas vom Meer in die Stadt verlagert worden, Landgewinnung in Japan ist und war großes Thema, auch in Nagasaki. Während der bis 1863 andauernden Abgeschlossenheit Japans war es nur Chinesen und Holländern erlaubt kontrollierten s.g. Nanban Handel – Handel mit Südbarbaren mit Japan zu betreiben. Beide Nationen hatten keine missionarischen Beweggründe und konnten so, anders als die Portugiesen, Spanier und Franzosen, dem japanischen Shogunat nicht gefährlich werden.

Nagasaki Wharf
Direkt am Hafen wurde erst kürzlich ein langgezogener, zweigeschossiger Bau erstellt, in dem neben einigen Restaurants auf der ersten Etage auch das Informationszentrum für die katholischen Kirchen und christliche Angelegenheiten im Raum Nagasaki  untergebracht ist. In diesem Zentrum sammelten wir erste Informationen über Kirchen und Orte, die wir besuchen wollten. Wir wurden dort dann telefonisch angekündigt, sodass wir später überall von in gelben Jacken bekleideten Herren und Damen der christlichen Welt empfangen wurden.

Eins der Restaurants in diesem Gebäude hatte eine beliebte Nagasaki Spezialität auf der Karte „Toruko Reis“ türkischer Reis. Butterreis, Spagetti Napolitano, paniertes Schweinekotelett (in Japan Tonkatsu), das Ganze übergossen mit Currysoße. Es schmeckte, wie geschildert. Uns konnte im Lokal niemand erklären, warum das nun „Toruko Reis“ hieß. Der Abend war herrlich, wir saßen draußen auf der ersten Etage und ließen den Abend über dem Hafen von Nagasaki hereinbrechen. Vor uns lag ein Viermaster Segelschiff über die Toppen LED-beleuchtet, die gegenüberliegenden Berge verschwammen langsam bei nachlassendem Licht in der Dunkelheit. Nur das Segelschiff, die Beleuchtung der großen Brücke über den Nagasaki Hafen und die sich farblich verändernde Beleuchtung einer Station auf den Bergen gegenüber ließ uns davon träumen, dass wir in einem fremden, noch tiefer zu entdeckendem Land waren. Es war kein Traum, wir waren es tatsächlich.

Gunkan-jima  (Battle-ship Insel)
Etwa eine dreiviertel Stunde mit dem Schiff, vor Nagasaki liegt die Insel Gunkan-jima. Sie heißt „Battle-Ship Insel“, weil sie aus einiger Entfernung aussieht wie ein Panzerkreuzer mit hohen Aufbauten und Schornstein. In Hochzeiten lebten dort 5.300 Menschen, die im Mitsubishi Hashima Bergwerk in bis zu 1.000 Meter Tiefe hochqualitative Kohle abbauten, um die umliegenden Stahlwerke zu beliefern. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurden hier auf allerengstem Raum eine Wohn- und Arbeitswelt geschaffen für die vielen Angestellten, Arbeiter, ihre Familien und Kinder.  Schule, Krankenhaus, Büro, Wohngebäude, Kino, Läden, eine komplette Infrastruktur einer Kleinstadt. Das damals höchste Gebäude Japans mit 7 Stockwerken stand auf Gunkan-jima. Im Laufe der sich veränderten Energie Politik wurde auf andere Energieträger umgestellt. Seit 1974 wird dort keine Kohle mehr abgebaut, die Gebäude wurden verlassen und Wind und Taifunen überlassen. Erst seit 2009 können wieder Menschen auf Gunkan-jima landen und die Überbleibsel dieser Geisterinsel besuchen. Gespenstisch was man hier entdecken kann, verlassene Büroräume, immer noch mit einigen verdreckten Teilen des damaligen Porzellans sind zu sehen, ansonsten Trümmerwüste, die die Gedanken in die Zeit vor 1974  abwandern lassen. Man muss schon die Überfahrt und auch das Wandern auf so einer verlassenen Arbeitsinsel mögen. Es hat seinen speziellen Reiz.

Nachleben in Nagasaki
Wie überall in Japans Städten gibt es in Nagasaki auch ein Nachleben mit kleinen Gassen, und entsprechenden Restaurants. Man könnte sich dort verlaufen, allerdings war zur Zeit unseres Besuchs das Nachtleben eher sehr ruhig.

Dagegen waren im Restaurant Okano, bekannt für seine besondere Fleischqualität, nur durch Vorbestellung zwei Plätze an der heißen Teppan-yaki Platte zu bekommen. Wir kamen mit der Straßenbahn, das Restaurant sollte in nur einer Minute von der Haltstelle zu erreichen sein. Wir konnten jedoch das Lokal von dort nicht gleich finden. Ein kurzer Anruf im Restaurant, dann das Angebot: „ich komme eben und hole Sie ab“. Im Nu stand auf der anderen Straßenseite eine junge Frau mit weißer Schürze. Sie begrüßte uns mit vielen tiefen Verbeugungen, dann warteten wir darauf, dass die Ampel endlich auf grün schaltete. Das dauerte allerdings. Für alle eine Übung in Geduld. Wie sich dann herausstellte, war sie die Dame an der Kasse des Okanos, die sie jetzt für ein paar Minuten verlassen musste, um uns den richtigen Weg zu weisen. Wer in Deutschland hätte das gemacht? Das sind die kleinen Freuden in Japan, die uns immer wieder begeistern.

Im Okano wird auf drei Etagen an der Teppan-yaki Platte bedient. Jeder bekommt seinen eigenen Koch, es ist ausgeschlossen, dass wir einen weiteren Gast an den Tisch für 6 Personen gesetzt bekommen. Nicht sehr effektiv, aber wunderbar. So kommen wir mit dem Koch ins Gespräch. Er erklärt uns, dass das bekannte Wagyu Beef (japanisches Rindfleisch) aus Nagasaki eigentlich das Beste in Japan sei, allerdings würden besonders Ausländer immer wieder nach Kobe oder Matsusaka Beef fragen. Das Nagasaki Rind wäre nicht so sehr von Fettstreifen durchzogen, genauso zart wie die Konkurrenten aus Kobe & Co. Dann erzählt er uns, dass die Wagyu Rinder eigentlich alle  aus Nagasaki und Umgebung stammen würden, dann aber in den anderen Städten entsprechend aufgezogen würden.

Wir lernen, Marketing für Nagasaki Wagyu hat noch einige weiße Flecken, die ausgefüllt werden können. Wir wurden Fans vom Okano wegen seiner Super Qualität des Nagasaki Rindfleisches, seiner fachlich, freundlichen Bedienung sowie der Dame an der Kasse.

Nagasaki China Town
Ja, auch in Nagasaki gibt es ein China Town, Überbleibsel einer einstmals großen chinesischen Handels- und Schifffahrt Belegschaft. Heute ist dieses China Town mehr oder weniger auf eine kleine Hauptstraße mit den hohen roten Eingangstoren auf beiden Seiten zusammengeschrumpft, nicht zu vergleichen mit dem um ein Vielfaches größeren Chinatown in Yokohama.

Direkt am Eingang zu China Town ein großes Restaurant „Kairaku-en“, an einem Sonntagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Warteliste.

Uns empfängt ein älterer Herr, fragt uns, ob wir auch am Tresen Platz nehmen würden, dann könnte er uns direkt einen Platz anbieten. Wir saßen am Counter und konnten so direkt vor unseren Augen mit ansehen, wie das Kairaku-en geführt wurde.

Zwei ältere Damen checkten die Speisen, die aus der Küche kamen, strichen die Bestellzettel ab und gaben die Gerichte frei. Vier jüngere Mädchen in schwarz-weißen Schürzenkleidern bedienten. Alles ging so schnell. Sobald ein Tisch frei wurde, gab es ein kurzes Zeichen mit der Hand des Anweisers, schon stürzten sich alle vier Bedienerinnen und eine der älteren Damen auf den Tisch, abräumen, neu eindecken, fertig Meldung an den Empfangsherren. Der schickte dann die Gäste von der Warteliste an den Tisch. Die Bestellung wurde wieder von einer der älteren Damen aufgenommen und kurze Zeit später war der Tisch übervoll, wie bei guten Chinesen üblich.

Wir rieten: Die beiden älteren Damen sind die Frau und deren Schwester vom Empfangschef.
Sie haben alles im Griff und der Anweiser kann sich auf die beiden Damen verlassen. Das Essen war hervorragend, deshalb auch die langen Wartelisten.

Beim Zahlen an der Kasse saß dort wiederum ein älterer Herr. Jetzt war uns klar, das ist der Bruder des Empfangschefs und die beiden Damen sind ihre Frauen. Beim Rausgehen kam eine der beiden Damen, jetzt schick angezogen an uns vorbei. Wir grüßten uns und fragten ungeniert, ob unsere Vermutung richtig wäre. Sie konnte es bestätigen. Und sie erzählte uns, dass Sie seit heute Mittag um 11:00 im Restaurant gewesen sei und jetzt um 8:00 nach Hause gehen könnte. Chinesisches Family Business. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Das „Kairaku-en“ wurde zu unserem weiteren Favoriten in Nagasaki.

 

 

 

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Reise zu den versteckten Christen / Teil 1

Ankunft in Nagasaki

Vom Flughafen Tokyo/Haneda nach Nagasaki im Süd-Westen Japans dauert der Flug nur 2:10. Der Landeanflug über kleinere, grün bewaldete Inseln und Inselchen gibt einen ersten Blick frei auf eine andere japanische Welt. Bewegtes Meer, hügelige Inseln und dann die Landung knapp über dem Wasser. Der Flughafen liegt auf aufgeschüttetem Land, einer Flughafeninsel und ist mit dem Festland nur über eine Brücke zu erreichen. Das NAGASAKI zur Begrüßung auf dem Flughafengebäude weckt Erwartungen auf Fremdartiges, auf etwas Geheimnisvolles, auf Entdeckungen. Unsere Neugierde wird schon bei einem ersten Blick aus dem Flugzeugfenster geweckt.  Es gibt keinen riesigen, internationalen Flughafen, hier geht alles auf kurzem Weg.

Direkt vor dem Flughafengebäude werden Tickets für den Linienbus in die Stadt Nagasaki verkauft, der Bus wartet schon auf uns und die meisten Reisenden unseres Fluges, Koffer werden verstaut, später kommende Passagiere müssen auf Notsitzen zwischen den Sitzreihen Platz nehmen, und schon geht es durch die kleine Stadt Omura zum Nagasaki Expressway. In der Stadt hält der Bus einige Male, die meisten Reisenden steigen an Nagasaki Station aus. Wir sind überrascht, dass der Fahrer unseren Koffer hier nicht schon aus dem Kofferabteil herausgeholt hat, sondern erst an der Haltestelle direkt vor unserem Hotel „The Hotel Nagasaki“. Die Fahrtzeit beträgt ca. 1 Std. in Japans Süd-westliche Inselwelt, zugehörig zu einer der vier Hauptinseln Japans, der Insel Kyushu.

Nagasaki

Schon vom Bus aus sehen wir, das ist eine andere Stadt als die gewohnten Großstädte wie Yokohama/Tokyo/Osaka oder Kyoto. Wir glauben eher in Taiwan, als in Japan zu sein. Es ist der erste Eindruck, eine Mischung aus Okinawa und Taiwan. Was auch sofort ins Auge sticht, sind die vielen, blauen, roten oder gelben Straßenbahnen, die mit teilweise 80 Jahre alten Wagen, die Stadt beleben. Da die sich ziemlich weit am Hafen und dem Urakami Fluss entlang erstreckt, benutzen wir später auf unseren Besichtigungstouren die fünf Linien des dichten Straßenbahnnetzes wie ein „Vaporetto“ in Venedig. Für je Yen 500 (EUR4,00) kaufen wir eine Tageskarte im Hotel und fahren zunächst wieder direkt vor dem Hotel los zum Peace Park, nur ein paar Haltestellen entfernt. Schnell lernen wir, dass wir die hintere Türe zum Einstieg benutzen sollen, um uns dann – auch bei überfüllter Bahn – an der Ausstiegshaltestelle nach vorne zum Fahrer durchzuschlängeln. Dort zeigen wir ihm unser Tagesticket. Wer Yen 120 für eine einfache Fahrt bezahlt und kein passendes Kleingeld hat, wechselt eine 500 Yen Münze oder einen 1000 Yen Schein am automatischen Geldwechsler, am Zahltisch des Fahrers, so dass man aus der Maschine das passende Kleingeld erhält und dem Fahrer abgezählt in seine Zahl Box werfen kann. In der Bahn gibt es kein Gedränge, jeder rückt sich zurecht, um von hinten kommende Fahrgäste zum Fahrer durchzulassen. Es herrscht auch keine Eile, keine Hektik, manche Leute erheben sich erst von ihren Sitzen um nach vorne zu gehen, wenn die Bahn schon länger angehalten hat. Und das Wunderbarste, der Fahrer sagt jedem Fahrgast beim Ausstieg: „Domo Arigato“ Dankeschön!

Der Peace Park

Natürlich verbinden wir Nagasaki zunächst einmal mit dem Atombombenabwurf der Amerikaner am 9. August 1945. Wir wollen das „Hypocenter“ und den nicht weit davon entfernten Peace Park besuchen. Erinnerungen an unsere niedergeschlagenen Gefühle bei unseren Besuchen von Hiroshima kommen auf. Wir sind wieder einmal überrascht, der Peace Park ist weitläufiger, es herrscht eine positivere Stimmung als wir sie in Hiroshima empfunden hatten.

Über eine lange Rolltreppe fahren zunächst hoch zum Park. Am weit entfernten Ende beherrscht seit 1955 eine 10 m hohe, 30 Tonnen schwere, grünliche Bronzefigur, gegossen von Seibo Kitamura, den großzügigen Platz des Peace Parks. Der Park selbst ist Ausdruck für den erbetenen Weltfrieden, der halbnackte Mann auf dem Podest zeigt mit dem rechten Arm in den Himmel – der Richtung, aus der die nukleare Bedrohung kommt. Sein linker, seitlich ausgestreckter Arm, der in einer flachen Hand endet, ist das Symbol für ewigen Frieden. Seine geschlossenen Augen bitten im Gebet für die ewige Ruhe aller Kriegsgefallenen.

Zwischen der Friedensstatue und dem Friedensbrunnen am anderen Ende des Parks wurden in einer seit 1978 angelegten „Symbol Zone für den Welt Frieden“ Monumente, Geschenke von weltweit 16 Städten, aufgestellt. Uns besonders beeindruckt hat das Monument „Protection of Our Future“, ein Beitrag der holländischen Stadt Middelburg, eine nackte Mutter, die sich über ihr Kind beugt um es vor der atomaren Bedrohung zu beschützen.

Am Anfang des Parks, der „Fountain of Peace“, der hier 1969 errichtet wurde. Er soll der Menschen gedenken, die mit ihren starken Verbrennungen durch die Trümmer herumgegeistert sind und „Wasser, Wasser“ geschrieben haben. Auf dem schwarzen Stein vor dem Brunnen stehen die Worte eines damals gerade 9 jährigen, heftig verbrannten Mädchens: „Ich war sehr durstig. Ich bemerkte zwar, dass das Wasser mit einer dicken, öligen Schicht bedeckt war. Ich war aber so durstig, dass ich es getrunken habe, so wie es eben war.“ Da standen wir dann davor und sprachen darüber, dass die Menschheit eigentlich nichts aus der Katastrophe von 1945 gelernt hat.

Der Hypocenter „Ground Zero“

Der Weg von der Friedensstatue zum Hypocenter ist kurz. Hier steht exakt an der Stelle, wo die Bombe am 9. August 1945 um 11:02 in 500 Meter Höhe explodiert ist, ein Monolith umgeben von symbolischen Kreisen, die die Vernichtung über die Stadt gezogen hatte.

Daneben eine Backsteinwand von der nahe gelegenen und zerstörten Urakami Kathedrale. Zur Erinnerung: am 9. August 1945, gerade mal 3 Tage nach dem Abwurf der Atombombe in Hiroshima, wurden durch den Abwurf der Plutoniumbombe mit dem bezeichnenden Namen „Fat Man“ etwa ein Drittel der Stadt zerstört und ca. 150.000 Menschen direkt getötet und/oder verletzt. Beide Parks regen zum Nachdenken an. Auch 72 Jahre danach, besonders unter dem Eindruck sich deutlich verschärfender Bedrohungen durch das Atomwaffen Arsenal von Nord-Korea, können wir nicht begreifen zu was Menschen fähig sind, und ob wir überhaupt aus der Geschichte lernen können oder wollen. Das macht übrigens auch schweigsam.

Die Urakami Kathedrale

Hinter der Peace Statue können wir von leicht erhöhter Position einen ersten Blick auf die nur 500 Meter entfernte, in rotem Backstein gehaltene Urakami Kathedrale werfen. Der heutige Stadtteil von Nagasaki, früher das Dorf Urakami war seit Mitte des 16. Jahrhunderts das christliche Zentrum Japans.

Nach Freigabe der Religionszugehörigkeit 1863 und Rückkehr der ersten 1.900 Christen, wurde hier im Laufe von 30 Jahren, von 1895 bis 1925 eine Kathedrale errichtet. Sie war zu dieser Zeit die größte romanische Kirche im Fernen Osten. Am 9. August 1945 wurde sie vollständig zerstört, von den damals 12.000 Gemeindemitgliedern kamen 8.500 Mitglieder ums Leben. Die Urakami Kathedrale wurde an derselben Stelle im Jahr 1959 in seiner heutigen Form wieder aufgebaut. Sie ist innen sehr schlicht gehalten, aus der zerstörten Kathedrale wurde der Kopf der Marienstatue, die vor der Atombombe über dem Altar gestanden hatte, aus dem Schutt geborgen. Der Kopf wird heute als Mahnung für Weltfrieden in einer Seitenkapelle der Kathedrale gezeigt.  Verschiedene, teilweise beschädigte Monumente der alten Kathedrale sind auf dem Gelände sowie im Hypocenter aufgebaut. Der bei der Explosion der Plutoniumbombe abgestürzte Glockenturm der alten Kathedrale liegt heute noch als Mahnmal nur etwa 50 Meter vom Eingang entfernt. In der näheren Umgebung der Kathedrale sehen wir verschiedene hohe Gebäude, aus denen christliche Gesänge zu hören sind. Sie gehören zur katholischen Gemeinde in Nagasaki, solche Gebäude, Schulen und christliche Wirkungsstätten entdeckten wir bei späteren Rundgängen überall in der Stadt an prominenten Stellen.

Hügel der 26. Märtyrer
Nicht weit vom Bahnhof Nagasakis entfernt stehen das Museum und das Mahnmal der 26 Heiligen auf dem Nishizaka Hügel. Hier wurden am 5. Februar 1597 auf Anordnung von Hideyoshi Toyotomi, dem Vorgänger des Tokugawa Shogun, 26 Christen umgebracht, darunter sechs ausländische Missionare und drei junge Männer. Sie wurden in Kyoto und Osaka wegen Verbreitung des damals verbotenen Christentums verhaftet. Von dort wurden sie 800 km durch Eis und Schnee bis zum Nishizaka Hügel getrieben und als Abschreckung der trotz Verbots immer noch aktiven Christen in Japan vor einer großen Menschenmenge gekreuzigt. Heute zeugt ein eindrucksvolles Mahnmal der 26 Heiligen von dieser Tat, auch hier Mahnung an den Weltfrieden und Freiheit der Religionszugehörigkeit. Ein erstes Zeichen für unsere weitere Suche nach den 250 Jahre lang „versteckten Christen“ in Japan.

Ein ganz anderes Thema folgt:

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Koya-san Teil 3

Nach dem Check Out im Fugen-in setzten wir unsere Entdeckungsreise in Koyasan fort:

Der Kongobuji Tempel
Koyasan ist die Erfüllung einer Vision des Kobo Daishi. Heute noch, nach 1200 Jahren, ist der Kongobuji Tempel in Koyasan das Zentrum des mit 4.000 weiteren Tempeln weit verbreiteten Shingon Buddhismus in Japan. Was im Kongobuji Tempelbezirk neben den herrlich bemalten Schiebetüren und seiner immensen Größe auffällt, ist der mit über 2.300 m2 größte Steingarten Japans, der Banryu-tei, der mit imposanten 140 Granitsteinen rund um das Tempelgebäude angelegt wurde.

Tokugawa-ke Reidai
Nicht weit entfernt vom Kongobuji finden wir nach einem hohen Freitreppenaufgang zwei gleich gestaltete, eingeschossige, reich verzierte Gebäude. Es sind die Mausoleen für die ersten Tokugawa Shogune, Ieyasu und seinen Nachfolger Hidetada.  Errichtet wurden sie im Jahr 1643, in einer Zeit, als es für hochgestellte Persönlichkeiten wichtig war in der Nähe des verehrten Kobo Daishi eine Stelle zu haben, an der dieser Persönlichkeiten gedacht werden kann. Uns war nicht klar, ob hier auch die Asche der beiden ersten Tokugawa Shogune aufbewahrt wird, solche Details werden gerne im Unklaren gelassen. Beim späteren Rundgang über den Friedhof Okuno-in, werden wir noch einmal darauf zurückkommen.

Zurück zum Kondo über den Jabara-michi, den Weg, den wir am Vorabend bereits gegangen sind. Jetzt können wir die einzelnen Gebäude näher in Augenschein nehmen. Am beeindruckenden ist der Konpon-Daito, die einstöckige, rot-weiße Pagode mit dem dreidimensionalen Mandala, das die „Nicht-duale Natur“ der Lehre des Shingon verdeutlichen soll. Alle Gebäude, so lernen wir, wurden nach Zerstörung durch Feuer im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neu errichtet.

Auch der Kondo ist für den Europäer kein symmetrisch, zB im Rechteck, angeordneter Platz. Dies konnten wir bereits im Horyuji Tempel in Nara erstmals sehen. Japaner scheinen einen anderen Sinn für Symmetrie zu haben. Unsere europäischen Augen bzw. unsere Sehgewohnheiten müssen sich bei Besuchen von Tempelanlagen wie dem Kondo immer wieder an die „japanische Symmetrie“ gewöhnen, das macht es aus für die Fremdartigkeit in Japan offen zu sein und sie so zu akzeptieren.

Der Okuno-in
Der Friedhof Okuno-in, den wir bei der Einfahrt nach Koyasan rechts der Straße gesehen hatten, zieht sich zwei Kilometer durch bewaldetes, teilweise gebirgiges Friedhofsgelände hin. Über drei Brücken, die Ichino-hashi, Nakano-hashi und Gobyo-bashi gelangen wir am Ende des Weges, an dem beiderseitig weit über 200.000 Grabanlagen zu bewundern sind, zum Kobo Daishi Gobyo, einem weitläufigen Mausoleum in dem Kobo Daishi in ewiger Meditation verharrt.

Wir betraten den Okuno-in am Haupteingang an der Ichino-hashi und wurden sofort in den Bann der einzelnen Grabanlagen gezogen. Der Weg führt durch einen Zedernwald mit zum Teil tausend Jahre alten, hochgewachsenen Zedernbäumen. Rechts und links des Weges, zwischen den Bäumen, immer wieder mit roten Mützchen oder Lätzchen bedeckte Jizos, kleine steinerne Statuen, die an verstorbene Kinder erinnern und sie jetzt beschützen. Dann wieder imposante Grabanlagen oder Monumente, die aus der japanischen Geschichte bekannten Familien oder Persönlichkeiten gewidmet sind. Hier ruht das „Who is Who“ der japanischen Geschichte. Einzelne Stelen, abgeschlossenen Grabanlagen, Grabmale mit bis zu fünfstöckigen steinernen Stupas, dicken runden Abschlusskugeln, indisch anmutende Grabmäler mit Sanskrit Inschriften, bemooste Treppen- Aufgänge, hier wechseln sich alle Stile ab. Das Auge kann nicht ruhen, der Fotoapparat auch nicht. Jedes Grabmal bekommt seine Bedeutung durch die Firma, die Familie oder die Persönlichkeit, die hier im Okuno-in, ganz in der Nähe von Kobo Daishi ein Monument oder Ruhestätte errichten möchte. Beeindruckende Schönheit der Anlage vermischt mit der Morbidität der bemoosten, teilweise verrotteten Steine und Hölzer.

Hier können Angehörige der Verstorbenen, einer Firma, eines Vereins, einer Gesellschaftsgruppe, einer Familie oder eines Einzelnen ihren Respekt bezeugen. Ein wunderbares Umfeld, und ganz nahe bei Kobo Daishi. Etwas störend für den europäischen Betrachter ist dann die überlebensgroße, marmorne Kaffeetasse der Firma UCC Coffee. Das Monument ist für den Japaner interessant. Ohne jegliche Bewertung, ohne ein störendes Gefühl. Da ist es dann wieder, die Großzügigkeit gegenüber dem Anders sein und denken, oder einfach das Übersehen einer für den Europäer ziemlichen Geschmacklosigkeit auf einem Friedhof.

Kobo Daishi verharrt im Gobyo Mausoleum, dem Herz von Koya-san, in ewiger Meditation, aus der heraus er den Menschen hilft sich von ihren Übeln zu befreien. Das ist der Grund, warum Persönlichkeiten in seiner Nähe ihre Grabstätten und Monumente errichten wollen.

Seit 1.200 Jahren werden von dort praktizierenden Mönchen zweimal am Tag Mahlzeiten für Kobo Daishi vorbereitet und in einer rituellen Zeremonie zu ihm gebracht. Wir konnten um zehn Uhr am Morgen dabei sein, als drei Mönche am Nebenausgang der Gebetshalle Toro-do eine Lade mit Speisen für Kobo Daishi beluden, um sie dann zwischen sich mit einer Tragestange zum Mausoleum zu bringen. Mit uns versammelten sich viele Touristen und Gläubige, die dann in einer Art Prozession die Mönche mit der Mahlzeit für Kobo Daishi bis ins Mausoleum begleiteten. Eine eigenartige Stimmung. Hunderte Touristen mit ihren Kameras und Smartphones, um ja kein Bild zu versäumen. Mönche, die für den in ewiger Meditation verweilenden Heiligen eine Mahlzeit servieren. Leider kam bei uns dabei keine der Zeremonie angemessene Stimmung auf. Allerdings wurde die ketzerische Frage des Ausländers, was mit dem Essen geschehe, das Kobo Daishi nicht einnähme, weder beantwortet noch wurde darauf in irgendeiner Weise reagiert. So eine Frage wird einfach nicht gestellt, oder sie wird überhört. Es ist doch nicht wichtig, ob nun in den Gräbern die Asche der Verstorbenen ist, oder ob das Essen von Kobo Daishi eingenommen wird. Es einfach hinnehmen, es geschehen lassen…

Dennoch, der Okuno-in mit dem Mausoleum von Kobo Daishi, den Grabstätten und Denkmälern mit der Ansammlung von bedeutenden japanischen Namen ist vielleicht das, was am meisten beeindruckt und von Koya-san in Erinnerung bleibt. Wir konnten für ein paar Stunden dem Heiligen nahe sein und uns seines Schutzes in der Zeit erfreuen. Das Weltkulturerbe Koya-san mit den unzähligen, von uns bei dem kurzen Besuch nicht allen entdeckten Schätzen der Menschheit,  wollen wir auf einer nächsten Reise dorthin weiter erkunden.

Von Koya-san fuhren wir in die laute Welt der alten Hauptstadt Kyotos, um dort langjährige Freunde zu besuchen. Auch um die Himmelsleiter von Izanami und Izanagi in Amanohashidate an der japanischen Meerseite sowie die Stadt Ine mit ihrem im Halbkreis um eine weite Bucht angeordneten, drehbuchartigen Hafen wieder einmal zu sehen.

 

 

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Koya-san Teil 2

Leben im Kloster Fugen-in

Als wir zurück zum Fugen-in kamen, wollten wir das Bad für den kommenden Morgen besprechen. Wir hatten ein Familien Ofuro, ein privates Bad, extra gebucht.
Sasaki-san, es stellte sich heraus, dass er der zweite Abt dieses Klosters war, zeigte uns das Ofuro, gleich gegenüber dem Kloster Büro. Wir waren erstaunt. Davor hing ein DIN A4 Papier auf dem handschriftlich stand: „ Für Frank & Miye reserviert von 17:00 bis 18:00“.

Dusche für den nächsten Morgen, kein Problem, nur sollten wir das Bad erst nach dem Frühstück benutzen, damit die Mönche nach dem Servieren des Frühstücks Zeit hätten das Bad für uns herzurichten!

Natürlich nahmen wir an, dass wir das Bad stundenweise mit anderen Gästen teilten. Dem war nicht so, das Bad stand die ganze Nacht nur uns zur Verfügung, und natürlich am kommenden Morgen, nach dem Frühstück. Purer Luxus mit frischem heißen Wasser – ohne Aufpreis und das in einem buddhistischen Tempel.

Unser Domizil liegt im ersten Stockwerk, 12 Tatamis groß, etwa 20 m2, zwei kleine Vorräume, eine Toilette, natürlich mit Washlet, ein Waschbecken im Vorraum zur Toilette. Auch hier wieder hing vor der Türe das handgemalte Schild mit unserem Namen. Für ein Kloster war der Raum ziemlich groß. und die Heizung lief auf voller Kraft. TV und Safetybox waren auch vorhanden.

Gut, dass wir das Bad von 17.00 bis 18.00 Uhr reserviert hatten.

Als wir den Vorraum des Ofuros betraten, das nächste große Erstaunen. Hier sah es aus wie in normalen Ofuros eines Ryokans, Waschbecken, Kämme, Fön. Alles da. Dann das Bad selbst im „Nebenraum“. Also dieses Becken war für mindestens 6 Personen ausgelegt, und jetzt nur für uns beide mit frischem heißem Wasser gefüllt! Außerdem, in Japan wird in öffentlichen Ofuros strikt nach Mann und Frau getrennt, aber hier im Kloster, nur für uns beide. Ungläubiges Staunen. Wir brauchten keine Stunde. Nach 15 Minuten waren wir erfrischt, hatten im heißen Becken die Körper erwärmt, Körper und Haare – natürlich nicht im Becken – gewaschen.

Zum Abendessen wurden wir wieder von unserem jungen Mönch abgeholt. Er führte uns über verschiedene Gänge und Treppen zu einem großen Raum. Er schob die Schiebetüren zur Seite, auf dem Tatamiboden standen zwei kleine Tischchen, vollgestellt mit kleinen Schälchen mit jeder Art von Gemüse. Es war angerichtet wie in einem sehr guten Restaurant. Die Miso Suppe wurde separat gebracht, Reis war in großer Menge in einer Holzschüssel zum Nachschlag vorhanden. Selbst alkoholfreies Bier stand auf unseren Wunsch bereit. So also sah unser „frugales Klosterleben“ aus! Klar, die mehr als 50 Tempel und Klöster in Koyasan sind nicht nur reine Gebetsanlagen, sie nehmen schon seit vielen Jahren Gäste zur Auffrischung ihrer Budgets auf. Also reine Gästeklöster, die sich nach dem Wunsch der Gäste richten. So wie sich der Fugen-in nach unserem Wunsch nach einem Bad gerichtet hatte und uns mit dem Ofuro und all dem anderen, unerwarteten Service überraschte. Von Askese keine Spur. Der Jacobs Weg rückte gedanklich bei uns in weite Entfernung.

Die Nacht war kurz. Wir waren nicht mehr gewöhnt auf wirklich dünnsten, bereits von Generationen durchgelegenen Futons auf hartem Tatami zu schlafen. Also wälzten wir uns hin und her, fanden keine klare Schlafposition und konnten so im Tempel die Geräusche der Schiebetüren hören, wenn andere Gäste über die Gänge huschten, um auf die öffentliche Toilette zu gehen. Ratsch, Schiebetüre auf, Ratsch, Schiebetüre wieder zu. Schlurfen auf dem Gang, dann wieder Ratsch, Ratsch.

Uns wurde jetzt bewusst, dass wir ein Luxuszimmer mit Toilette und Waschbecken gebucht hatten, und wie sich herausstellte es als einzige gewagt hatten das Bad ebenfalls zu buchen und es damit nur für uns zu besetzen.

Mit schmerzenden Rücken standen wir schon um 4:30 auf, packten unseren kleinen Übernachtungskoffer und harrten der Dinge die auf uns zukommen werden. Auf dem Flur hörten wir wieder das häufige Ratsch der Schiebetüren, das Schlurfen der Klosterschlappen. Wir verplemperten die Zeit, bis uns der junge Mönch ermahnte jetzt zur Andacht zu kommen, die pünktlich um, 5:30 beginnen würde.

Schnell in die Schlappen, die vor der Schiebetüre stehen geblieben waren und hinter dem Mönch die steile Treppe zum Versammlungsraum hinuntergeeilt. Am Eingang stand Sasaki-san, er gab uns etwas herrlich riechendes, feines Weihrauch Pulver in die Hand und bat uns bei vielen, gegenseitigen Verbeugungen in den Gebetsraum. Alle kleinen Hocker ringsum, bis auf einen, waren schon von den anderen Gästen besetzt, hatten sie etwa nur noch auf uns gewartet?
Und dann ging es auch schon los.

An der Morgenandacht nahmen alle Mönche des Klosters teil, die Sutras wurden in Sanskrit ein- und mehrstimmig rezitiert und gesungen. Die Mönche saßen dabei hinter einem leicht durchsichtigen Vorhang aus Bambusgeflecht, sie waren zwar dadurch für uns zu sehen, aber nicht so ganz deutlich. Außerdem wurde der große Raum nur von Kerzenlicht erwärmend beleuchtet. Die tiefen Stimmen der Mönche, verbunden mit der monotonen Rezitation, vielen eingebundenen „Ohms“, die Beleuchtung und der Ablauf der Morgenandacht hinterließen bei uns einen tiefen, ja mystischen Eindruck. Eine heilige Stimmung breitete sich aus, als wir aufgefordert wurden zu zweit an den niedrigen Altar zu treten, uns davor kniend auf die Fersen zu setzen, uns mit zusammengelegten Händen zweimal vor der Gottheit hinter dem Vorhang zu verbeugen, eine kleine Prise von dem bereitstehenden Weihrauch Pulver zu nehmen und in die feuerglimmende Schale zwischen den Fingern zu verreiben. Dazu rezitierten die Mönche immer weiter ihre Sanskrit Texte. Es wurden Klangschalen zum Klingen gebracht, Taiko Trommeln angeschlagen. Töne, die etwas Urgewaltiges in uns auslösten. Diese Klänge, der Gesang, die Trommeln, die Klangbecken, sie erreichten uns in unseren Körpern und brachten auch ihn zum Schwingen.

Nach einer halben Stunde war die Andacht für die Gäste des Fugen-in vorbei. Ein junger Mönch führte uns durch das Kloster und zeigte uns die Schätze dieses Hauses. Ganz besonders erwähnen müssen wir den Raum unter der kleinen Pagode. Hier bewahrt der Tempel seinen größten Schatz auf. Wir durften einzelnen herantreten und sehen, dass in einer Art goldenen Monstranz, nur zu sehen durch eine eingebaute Lupe ein Pünktchen der Originalasche von Buddha aufbewahrt wurde. Diese Asche wurde einst von einem Abt des Klosters aus Nepal mitgebracht und wird jetzt hier als größter Schatz aufbewahrt.

Das Bad nach dem Frühstück. Check out, aber nicht ohne, dass uns jeweils ein Talisman und Postkartenbilder des Fugen-in überreicht wurden, verbunden mit der Bitte doch bald wiederzukommen. Selbstverständlich galt das freundliche Angebot im Garten des Klosters den Wagen weiterhin zu parken, sollten wir bei unserem Rundgang durch Koya-san keinen anderen Parkplatz im Ort finden. Davon machten wir dann auch später Gebrauch…

Die vom normalen Leben abgeschlossene Ruhe, die Freundlichkeit von Sasaki-san und den übrigen Mönchen, die Möglichkeit das Innere eines Klosters überall betreten und auch bewundern zu dürfen ließen in dem Augenblick den Wunsch nach weiteren Nächten im Fugen-in aufkeimen. Doch, wie immer, wir hatten ein weiteres Programm…..

 

 

 

 

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