„Bay Bikes“ leichte, rote Fahrräder mit kleinem Körbchen gibt es im zentralen Stadtgebiet von Yokohama und im Hafenbezirk Minato-Mirai. Sie kosten in den ersten 30 Minuten Yen 100 (EUR 1), in den zweiten 30 Minuten bereits Yen 200.
Ungerecht, zu teuer dachte ich zunächst, denn ich war gewohnt, dass ich mir ein Fahrrad für den ganzen Tag leihe, es mir dann den ganzen Tag zur Verfügung steht und ich es erst abends zurückgebe. 

Foto von baybike Webseite
http://docomo-cycle.jp/yokohama/top

Falsch. Ich musste umdenken. Nicht mieten oder leihen, sondern „Sharing“ ist das Schlüsselwort bei „Bay Bikes“. Für kurze Strecken nutzen und dann an bestimmten Stationen wieder zurückgeben, so dass auch andere in den Genuss des Rades kommen können.

Was hilft am besten das System zu verstehen? Bedingungen studieren, selbst Mitglied werden, ausprobieren, Erfahrung sammeln und dann erst bewerten.

Also wurde ich Mitglied. Anmeldung über das Internet, Kreditkarte und Handy Nummer. Das war es schon. An einer der zahlreich im Stadtbereich engmaschig verteilten Stationen ein Rad entnommen und los ging`s. Tatsächlich, der Weg zu meinem ersten Ziel lag nur 15 Minuten entfernt, eine Station gab es dort in unmittelbarer Nähe. Dort stellte ich das Rad zurück, auf meinem Handy wurde ich informiert, dass Yen 100 abgebucht werden. So ging das fünf Mal am ersten Tag, immer wieder entnahm ich ein anderes Rad und stellte es an Stationen in der Nähe meiner Ziele wieder zurück. Nur einmal hatte ich dasselbe Rad entnommen, ich bemerkte das am höher gestellten Sattel. Der ganze Spaß hatte mich später zusammen Yen 500 gekostet.

„Bay Bike“ eine Experiment der Stadt Yokohama und NTT (Japans größter Telefongesellschaft) lernt jeden Tag dazu. Für einen Tagesmiete zum Preis von Yen 500 kann man jetzt das Rad so oft abstellen, wie man will und zahlt dafür lediglich den Tagespreis.

Ich hatte gelernt: „Sharing“ mit anderen, nicht „Keeping“ für mich alleine. Plötzlich fand ich die Idee gut. In Düsseldorf bin ich Mitglied bei „Next Bike“, das System ist anders, mieten und dann irgendwo abstellen. In Yokohama, allerdings heißt es „Sharing“ und an einer entsprechenden Station einstellen. Hier wird das Rad wieder elektronisch registriert und der Vorgang auf meinem Handy bestätigt. Bay Bike arbeitet nach einem anderen Business Modell als Next Bike: Während Bay Bike des Sharing Gedanken verbreiten möchte, vermietet Next Bike die Fahrradfläche zu Werbezwecken und finanziert sich dadurch.

Zuerst einmal musste ich das System des Sharings verstehen, um es beurteilen zu können. Ich war begeistert. Seit der Zeit bin ich „Bay Bike“ Sharer. Zunächst dachte ich, dass das ein ausgeklügeltes, japanisches  System sei. Doch wer auch bei uns genau hinschaut stellt fest, das gibt es in Deutschland auch schon: zB. „Car Sharing“.

Auch hier wollte ich es zuerst einmal ausprobieren. Zunächst bei „Car2Go“ www.car2go.com in Düsseldorf. EUR 9.50 Eintrittsgebühr, Kreditkarte, Führerschein und Personalausweis und schon hatte ich meine Car2Go Mitgliedskarte und den Türöffner für all die kleinen weißen SMARTs mit dem blauen „Hallo“ auf den Türen. Die App auf dem Handy ist leicht zu installieren und schon kann ich sehen, wo sich das nächste freie Auto befindet. Meistens finde ich ein Fahrzeug innerhalb eines Radius von 300 – 500m. Ich kann ich den nächsten freien Wagen per Handy reservieren, damit ihn mir niemand wegschnappt, während ich gerade zum  Auto gehe.

Karte an die Windschutzscheibe halten, einsteigen, geheime Zugangsnummer in den Display eingeben, den Schlüssel entnehmen und nachdem ich das Äußere und das Innere des Autos bewertet habe, loslegen. Meine Freund haben sich gewundert, als ich das erste Mal mit einem SMART mit einem großen blauenHallo auf den Türen vorfuhr. Nicht mehr gelächelt haben sie, als ich später den SMART in eine kleine Parklücke rangierte, die für die normalen Autos viel zu klein war. Dort beendete ich meine Fahrt. Das Auto stand jetzt anderen zur Verfügung. Nach dem gemeinsamen Dinner mit meinen Freunden, bei dem ich nicht auf ein oder zwei Glas Bier mehr oder weniger achten musste. Denn nach dem Dinner nahm mich einer der Freunde mit und setzte mich ganz in der Nähe meiner Wohnung ab. Der ganze Spaß hatte mich EUR 4.43 (26 Cents pro Minute) gekostet. Zurück hätte ich ja auch ein Taxi nehmen können, ich war frei, musste nach keinem Parkplatz für mein Auto suchen und konnte den SMART da stehen lassen, wo es mir beliebte.

Einmal hatte ich kein Glück. Im Umkreis von 300 m gab es kein „Car2Go“, das war der Startschuss jetzt auch Mitglied bei „DriveNow“ www.drive-now.com zu werden. Das ist der Mitbewerber von „Car2Go“, hier werden allerdings Minis oder Einser BMWs zur Verfügung gestellt. Das System ist ähnlich wie bei „Car2Go“ (hier kostet die Minute 29 Cents), schon kurz nach der ersten Fahrt hatte die entsprechende Rechnung in meinem Email Eingang. 

Ich fühle mich jetzt nicht mehr so an mein eigenes Fahrzeug gebunden. Fahrten von zu Hause in die Stadt kosten im Schnitt EUR 4.50, das alleine müsste ich schon fürs Parken zahlen. Kurz gesagt, ich bin durch meine Erfahrung mit dem „Bay Bike“ in Yokohama zum Freund des „Sharings“ geworden. Dazu musste ich allerdings die Vorteile dieses Systems erst einmal richtig verstehen und meinen Nutzen daraus ziehen. 

Wer bewusst nach solchen Sharingsystemen Ausschau hält wird sie überall finden. So bieten in Japan bereits Privatleute ihr Auto zum Sharing an, wenn sie über Wochen im Ausland sind. Es gibt bereits mehrere Firmen, die sich solcher Konzepte dort angenommen haben. Gerade in der Letzten Woche bot mir ein guter Freund an doch mit ihm seinen Zweitwagen zu „sharen“,  er stünde sowieso nur da rum, warum ihn dann nicht zu teilen – auch kostenmäßig. Bis das umgesetzt werden kann, müssen aber wohl noch ein paar Hürden im Kopf übersprungen werden. Warum aber nicht?

Seit Jahren gibt es unter dem Motto „Teile deine Welt“ die Organisation airbnb www.airbnb.de die Wohnungen oder Appartements anbietet, die ihre Besitzer mit anderen für eine bestimmt Zeit teilen möchten.

Ach ja, seit mehr als 25 Jahren sind wir Mitglieder im Four Seasons Country Club in Quinta Do Lago an der Algarve in Portugal www.fsccquintadolago.com, ein Time Sharing Konzept, das wir nur mit „erstklassig“ bewerten können. Uns gehört eben nicht die Wohnung No. 55 über das ganze Jahr, sondern wir haben nur das Recht Villa 55 zwei festgelegte Wochen im Jahr zu nutzen, die übrige Zeit teilen wir sie uns mit anderen Mitgliedern. Die Verwaltung mit Instandhaltung, vollem Hotelservice bei gleichzeitigen Club Charakter wird vom FSCC durchgeführt. Diese Clubanlage gehört zu den wirklichen Paradiesen dieser Welt und ist seit jetzt über 25 Jahren in erstklassigstem Zustand, genauso wie die einzelnen Wohnungen, das Clubhaus, die Sportanlagen mit der allumfassenden Security. Und, wie müssen uns um nichts kümmern!

Wir hatten schon aus den Augen verloren, dass wir bereits begeisterte „Sharer“ sind. Erst mein Interview mit Frau Junko Edahiro http://shoganai.com/2012/05/ein-weckruf-fur-die-menschheit/#more-657 hat mir wieder die Augen geöffnet. Sie sagte mir zum Schluss unseres Gesprächs: „Firmen, die heutzutage mit einem Businessmodell ohne Sharing System in den Markt gehen wollen, werden nicht erfolgreich sein.“