Eine Bootsfahrt auf 930 Kilometer Wasserkanälen

Nein, die Bootsfahrt ging nicht über die 930 Kilometer, sie dauerte auch nur eine Stunde, wir haben uns davon nur ein paar Kilometer durch Yanagawa staken lassen.

Im Hotel hatten wir gerade die, jeden Japaner verzückenden Kirschblüten, bewundert. Wir schauten uns noch die in Etagen aufgereihten, alten Kaiserin und Kaiser Puppen an – die zu dieser Jahreszeit von Familien aus Yanagawa für den Puppentag ausgestellt wurden, als wir auch schon von einem jungen Mann abgeholt und mit dem Auto zu einer Bootsanlegestelle gebracht wurden. Sammelstelle für die Rundfahrt Flachboote. Dort warteten schon zwanzig, meist ruhige, junge Taiwanesen, auf das „Abenteuer“ der Kanaltour. Wir am Bug. Unser Bootsführer, der junge Mann, der uns schon mit dem Auto vom Hotel abgeholt hatte, mutierte jetzt zum Bootsführer. Er klärte uns darüber auf, warum gerade in Yanagawa so lange Kanäle das Städtchen durchzogen.

Die Kanäle wurden nicht für unsere Ausflugsboote gebaut. Sie wurden über viele Jahrhunderte als Lebensader der Stadt gezogen. Als Transportwege für Waren, sie dienten zur Bewässerung der Reisfelder, waren zugleich Hochwasserschutz und Entwässerung des sumpfigen Bodens und sicherten die Trinkwasserversorgung. Ganz bestimmt aber wurden sie für die Verteidigung der Burgstadt Yanagawa gebaut. Ständige Erweiterungen des bestehenden Kanalsystems halfen auch dabei die Schlossanlagen der Familie Tachibana zu verteidigen.

Der Kahn glitt ruhig durch oder besser über das Wasser. Unterbrochen durch die Erläuterungen unseres Stak-Meisters. Spektakulär wurde die Fahrt immer dann, wenn der Bootsführer wegen der zu niedrigen Steinbrückchen den Stab aus der Hand legen musste und sich, wie wir alle, niederkauerte. Hin und wieder sang er japanische Kinderlieder, alle klatschten… Das Ziel lag dann direkt am großen Anlegeplatz des Ohana. Wir landeten dort wie die damaligen Fürsten.

Was wir von dieser Tour mitnahmen: Der Reiz dieser Bootsfahrt lag nicht in Sensationen. Vielmehr in der Ruhe, mit der das Boot weiter gestakt wurde und an der Schönheit der teils ziemlich alten Gärten der angrenzenden Häuser – mit über das Wasser ragenden Baumästen und vermoosten Steintreppchen zum Wasser. Die vorbeiziehende Landschaft, die seit Jahrhunderten unverändert geblieben zu sein schien, strahlte auch hier eine wohltuende Ruhe aus, die wir von unserem Stadtleben in Yokohama so nicht gewohnt waren. Yanagawa verbreitet ein gewisses Flair, das Japaner nostalgisch an ihre Kindheit erinnert.

Wieder diese Ruhe, wie auch schon im Ohana und überhaupt in diesem Teil Kyushus…