COVID-19

ein kleiner Rundumblick über das Corona Geschehen in unserer Umgebung in Yokohama.

Per Sonntag den 15. März 2020 soll es in Japan insgesamt ca. 1.500 COVID-19 Fälle geben, allein ca. 700 davon auf dem Kreuzfahrtschiff „Princess Diamond“. Das Schiff liegt in Sichtweite von uns, etwas abgelegen, direkt hinter der Yokohama Bay Bridge. mehr…

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Kaze no Denwa

Das Wind-Telefon ohne Anschluss, oder wie der Wind nach dem 11. März 2011 Stimmungen, Gedanken und Gefühle von über 10.000 Menschen übertragen hat.

Hoch über der kleinen Stadt Otsuchi in der Iwate Präfektur, auf dem privaten Grundstück des Freizeitfarmers Itaru Sasaki, steht eine einsame weiße Telefonzelle, etwa in der Größe einer englischen Telefonzelle.
Von dieser Stelle aus kann ein Besucher weit auf das Meer hinaussehen.
Eingerichtet wurde diese Telefonbox im Jahr 2010 von dem Besitzer der Farm. Er und seine Familienangehörigen wollten in dieser Telefonzelle mit ihrem verstorbenen Cousin Kontakt aufnehmen. Dazu hatte er ein schwarzes Telefon mit einer Wählscheibe installiert, allerdings ohne einen Außenanschluss. Seine Mitteilungen und Gedanken sollten durch den hier stetig wehenden Wind an seinen Cousin übermittelt werden.

Am Fuß dieser Anhöhe haben am 11. März 2011 die Wassermassen, ausgelöst vom
Erdbeben der Stärke 9.0 mit dem anschließenden Tsunami,  dramatische Verwüstungen in der kleinen Stadt Otsuchi angerichtet, die neben dem materiellen Wert 820 Menschenleben gefordert haben. Noch heute werden 420 Menschen vermisst. Kein Lebenszeichen, keine Verabschiedung einfach aus der Welt geschieden. Hinterlassen wurden trauernde Familienmitglieder, die den Kontakt zu den verstorbenen und Vermissten suchen, so wie ein Jahr zuvor Sasaki-san zu seinem Cousin.

Die weiße Telefonzelle wurde nach dem Tsunami von Sasaki-san für die Bürger zur Verfügung gestellt, die hier mit ihren verlorenen Familienangehörigen sprechen, d.h. ihre selbst nach fünf Jahren immer noch gekapselte Trauer durch Telefongespräche mit ihren Liebsten überwinden möchten.

Das japanische Fernsehen hat über die Gespräche in der Telefonzelle den Film „Kase no Denwa“ gezeigt. Aus geziemter Entfernung, allerdings mit Mikrofon, wurden trauernde Menschen gezeigt, die ihren Ehepartner, Eltern oder Großeltern, ihre Kinder oder Enkelkinder, Geschwister, Freunde und Schulkameraden im Tsunami des 11. März 2011 verloren haben und deren Körper bis heute nicht wiedergefunden werden konnten.

So näherte sich der Telefonbox im Film eine ältere Dame, öffnete zögernd die Türe, hob den Telefonhörer auf, wählte eine Nummer. Zunächst schwieg sie. Ganz von ihrer Trauer eingefangen begann sie dann ihren vermissten Mann zu fragen, wo er den sei, warum er sich nicht melden würde. Sie berichtete ihm, dass die Kinder wohlauf seien und sie ihn alle sehr vermissten. Der Rest des Gesprächs ging dann in Tränen und Schluchzen unter. Vorsichtig, als ob sie das Gespräch nicht abreißen lassen wollte legte sie den Hörer wieder auf, öffnete die Türe und verschloss sie ganz behutsam mit dem Riegel von außen. Anschließend stelle sie sich den TV Reportern zu einem kurzen Interview. Die Tränen waren in der Zwischenzeit schon versiegt, die Dame berichtete wie sie ihren Mann und den Vater ihrer Kinder verloren hätte und immer noch seinen Rat benötige.

Ein Mann mittleren Alters wurde gezeigt, der seine Frau verloren hatte und jetzt alleine, ohne weitere Verwandte auf der Welt ist. Er stelle im anschließenden Interview die Frage, ob es sich für ihn noch lohne weiterzuleben. Viele der später interviewten Personen äußerten nach ihren Telefongesprächen aber auch eine gewisse Erleichterung, dass sie zu ihren Angehörigen sprechen konnten, dass sie nur auf ein einziges Wort als Antwort warten würden.

Als Zuschauer des Films schwankten wir zwischen Neugier und totaler Ablehnung die berührenden, traurigen und sehr intimen Gefühle dieser Menschen zu belauschen und sie hinterher noch zu interviewen.

Ein Junge von 15 Jahren fuhr einen weiten Weg von Hachinohe vier Stunden lang mit dem Bus um in der Telefonbox zu seinem Vater zu sprechen. Danach wurde er zu Hause im Kreise seiner Familie gezeigt. Mutter, ein jüngerer Bruder 8 Jahre alt, und seine etwas jüngere Schwester. Die Mutter berichtete wie der Vater noch aus seinem LKW am 11. März 2011 bei ihr angerufen hätte, dass er einen Einsatz für eine Fahrt nach Onagawa angenommen habe, dann aber nach dem Tsunami der Kontakt abgebrochen sei. Seitdem  haben sie von dem Vater nichts mehr gehört. Die Mutter hält als Versicherungsverkäuferin die Familie über Wasser. Die Schwester hatte sich seit dieser Zeit zurückgezogen, sie sprach über den Verlust des Vaters weder mit der Mutter noch mit den Brüdern. Der 15 jährige Bruder empfahl seiner Mutter und den Geschwistern doch über das Telefon mit den Vater in Kontakt zu treten. Begleitet vom TV Team fuhren alle zusammen daraufhin nach Otsuchi. Die Mutter sprach zuerst mit dem Vater, dann gingen der jüngere Bruder und die Schwester in die Box. Es dauert eine Weile bis sie überhaupt sprechen konnten. Ein tränenreiches Gespräch mit dem verlorenen Vater. Anschließend, auch unter Tränen  sprachen die Geschwister untereinander über ihren Versuch mit dem Vater zu telefonieren. Die Schwester, so hatten wir als Betrachter den Eindruck, war danach gelöster. Die Familie hatte sich verabschieden können, sie war jetzt noch enger zusammengewachsen. Der jetzt 15 jährige Sohn scheint dabei die Stelle des Vaters in der kleinen Familie eingenommen zu haben.

Ein versöhnender Abschluss des Films. Dennoch, der Trauer der Menschen so nah sein zu dürfen hat uns auch für eine Weile danach sprachlos gemacht.

Spontan beschlossen wir Herrn Sasaki und die „Kaze no Denwa Box“ in Otsuchi aufzusuchen. Wir wollten seine Bereitschaft diese Telefonzelle zur Verfügung zu stellen und seine damit verbundenen Gefühle direkt erleben.

Die Verabredung gestaltete sich zunächst schwierig. Erst über verschiedene Blogs konnten wir seine Email und Telefonnummer in Erfahrung bringen. In unserer Email mit der Bitte um ein Gespräch mit ihm in Otsuchi hatten wir ihm u.a. erklärt welche Aktivitäten wir nach dem 11. März 2011 sowohl in Deutschland als auch in Japan zur Linderung der ersten Nöte unternommen hatten. Schon zwei Tage später erhielten wir seine Zusage mit einem konkreten Besuchstermin Mitte April 2016 mit seinen Worten: „Menschen, die aufgrund eines TV Films extra aus Yokohama kommen möchten um mit mir zu sprechen, müssen wohl sehr gefühlvolle Menschen  sein“.

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AKW Fukushima Daiichi Teil 2

Denke das Undenkbare
24. April 2019 – Acht Jahre nach der Katastrophe
Inspektion im AKW Fukushima Daiichi (No.1)
Teil 2
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AKW Fukushima Daiichi Teil 1

Denke das Undenkbare
24. April 2019 – Acht Jahre nach der Katastrophe
Inspektion im AKW Fukushima Daiichi (No.1)
Teil 1

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Yes, It’s possible!

Das unmögliche Motto eines japanischen
Mittelständlers in Fukushima

Im vergangenen November berichtete uns Prof. Yamane https://shoganai.com/varve-museum/ über eine Firma ABLE in Fukushima, die Roboter für den Abbruch des zerstörten Kernkraftwerks No.1 – mehr…

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Das Akatsuki-no-Kura (Speicher Morgenröte) – eine Sake Bodega in Yokohama

Manchmal haben wir Lust am frühen Abendein Glas kalten Sake zu trinkenund dazu eine Kleinigkeit,
so wie spanische Tapas auf Japanisch zu essen. mehr…

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Varve Museum

Verdrängte der Homo Sapiens den Neandertaler oder
existierten Neandertaler und Homo Sapiens zur gleichen Zeit?

Der Frage wollten wir zusammen mit Prof, Kazuma Yamane (71) auf den Grund gehen. mehr…

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Kotje Le Chocolat Manufaktur

Taku & Yoko Hirabayashi, zwei junge Chocolatiers
aus Nasu Shiobara, Tochigi Präfektur in Japan

Mit Taku Hirabayashi saßen wir 2011 in einem Café in Düsseldorf. Uns interessierte damals, wie er als Koch Qualität definierte. mehr…

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„Help Japan“ Unser Abschlussbericht 27. Oktober 2018

Das war unsere Information vom Januar 2013:
Yen 2,091,960 für das Kinderhaus in Ohzashi
Unsere „Help Japan“ Aktion nach dem verheerenden Tsunami am 11. März 2011 an der japanischen Pazifikküste war dank vieler Spenden und durch Kooperationen mit dem Bottroper Förderverein „KONJUNGTUR“, dem Kommunikationsdesigner Klaus Trommer, unserem Lions Club Düsseldorf-Karlstadt und vielen Einzelspendern sehr erfolgreich So konnten wir dem Initiator des Kinderhauses in Ohzashi, Prof. Kazuma Yamane, Yen 2,091,960 für den weiteren Ausbau des Kinderhauses übergeben.
Die im Januar 2013 entstandene Aufnahme (siehe oben) soll zeigen wie wir symbolisch mit unseren Spenden versuchen die durch Erdbeben und Tsunami entstanden Verwerfungen in Japan wieder zu glätten.
Wir wollten damit auch allen Spendern für ihre Unterstützungen der Kinder in Ohzashi unseren Dank sagen.

Jetzt, am 27. Oktober 2018, wurde das Kinderhaus Projekt „Ohzashi-Juhsanhama – Children`s Playhouse“ mit einer beeindruckenden Zeremonie offiziell beendet.
Das Haus soll am 21.November des Jahres, nachdem es sieben Jahre lang den
Kindern von Ohzashi als Spiel und Rückzugsort gedient hat, abgerissen werden.

Nach dem Tsunami, der das gesamt Dorf Ohzashi im März 2011 mit seinem Hafenanlagen, den Wakame (Algen)- und Jakobsmuschel-Farmen weggespült hatte, mussten die Fischer den Neuanfang wagen. Das bedeutete damals zuerst einmal Entscheidungen zu treffen: “Wollen wir weiter vom Wakame- und Jakobsmuschel-Farming sowie vom Fischfang leben?“ Wie können die Fischer dazu aus dem Nichts Ihre Geschäftsgrundlage wieder aufbauen? Die Betreuung der Kinder war damit zunächst einmal in den Hintergrund gedrängt worden. Es ging 2011 um das nackte Überleben der über Generationen gewachsenen Dorfgemeinschaft Ohzashi.
Lebensgrundlage: Wakame-, Jakobsmuschel-Farming und Fischfang.

Das Projekt Kinderhaus hatte ganz praktisch genau in dieser Lücke angesetzt.
Ein geschützter Platz zum Spielen, Ablenkung der Kinder von den miserablen Umständen einer vormals reichen Gemeinschaft, liebevolle Betreuung aller Kinder, auch aus Nachbargemeinden, gemeinsames Lernen nach der Schule. Durch die ins Auge springende Architektur sollte das Projekt zugleich Aufmerksamkeit für Spenden in Japan und aus dem Ausland anregen.

Dazu war Prof. Yamane schon 2011 die Verpflichtung eingegangen dafür zu sorgen, dass für 5 Jahre der Aufbau, der Erhalt und der Abriss des Kinderhauses durch Spenden gewährleistet wird. Eine mutige Verpflichtung, die ihm sicherlich viele schlaflose Nächte bereitet und ihn auch manches Mal an den Rand der Verzweiflung gebracht haben. Wie überhaupt in der ganzen Region enormer Mut und Unternehmergeist für alle Entscheidungen nach dem Tsunami gefordert waren. Die Fischer hätten sich auf das von der japanischen Regierung bereitgestellte Geld und auf Hilfe von außen verlassen können. Doch das war die Zeit die durch Naturgewalten geschaffenen Umbrüche mit neuem Leben zu gestalten, persönliche Bedürfnisse hintenanzustellen und den Neuanfang zu wagen. Wer die hastig aufgestellten Containerreihen über dem Dorf Ohzashi, in denen die Familien seit 2011 gewohnt haben, einmal gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, wie sie das Leben wieder in normale Bahnen lenken könnten.

Doch, jetzt 2018 sind die teilweise um Meter abgesunkenen Hafeneinrichtungen wieder hergestellt, neue Fischerboote liegen dort vor Anker, die zur Wakame Nachbreitung benötigten Hallen der bereits 2011 gegründeten Kooperative „HAMANDO“ (Strandmenschen) sind an alter Stelle, jetzt aber moderner und praktischer, wieder aufgebaut. Normales Fischerleben ist eingekehrt. In einer Halle werden von älteren Frauen, kurz „Obaachan“ Großmütterchen, unter anderem lange Wakame Blätter zu Reis und Suppenbeilagen bearbeitet. Mit Knoten versehen und auf 10 cm Länge geschnitten dürfen sie nicht über 10 Gramm wiegen. Täglich werden davon 1.400 Stück in mühevoller Handarbeit hergestellt – ohne wiegen, ohne Maßband, gerade nach Gefühl.

Die ehemals von den Dorfbewohnern bewohnten Containerreihen stehen noch an Ort und Stelle, sie sind jetzt allerdings nicht mehr bewohnt. Etwas weiter dahinter stehen zwei schöne Häuser, neu gebaut. Familienbesitz der Familie Abe, Shota mit seiner Frau und drei Kindern sowie Vater Abe (Abe-Papa) mit Frau. Wir sind erleichtert das zu sehen. Andere Bewohner haben sich Häuser etwas weiter entfernt gebaut. Ein echtes Wirtschaftswunder. Schön zu sehen. Ein Ende in den beengten Notunterkünfte

Der damals junge Fischer Shota Abe, heute 32, ist zum zentralen Vermarkter des Ohzashi Wakame und Jakobmuscheln geworden. In der kommenden Woche wird er sogar in Malaysia Kunden besuchen und dort das Geschäft mit Produkten aus Ohzashi ausweiten.

Bis 2011 wurden alle Produkte aus Ohzashi über Großhändler vertrieben. Sie bestimmten auch die zu erzielenden Preise. Nach 2011 hat sich auch durch Vermittlung von Prof. Yamane und seinen Unterstützern die Möglichkeit für den Direktvertrieb an Supermärkte eröffnet, ein Geschäft, das der junge Abe schnell gelernt hat. Selbstsicher tritt er vor TV Kameras auf, erklärt den Teilnehmern an der Abschluss Zeremonie den Aufschwung von Ohzashi. Berührend und bewundernswert.

Nach der offiziellen Zeremonie mit vielen Reden vor dem Kinderhaus, nach Freigabe des Hauses mit bereitgestellten Stiften jetzt alles bemalen zu dürfen, saßen die Fischer und ihre Familien, die Spender und die Stadt- und Präfektur Vertreter zum Essen im neu errichteten Gemeindehaus an einem weiten Viereck zusammen. Natürlich auf dem Boden.

Jeder wurde vorgestellt, musste das Wort ergreifen, und über seine Verbindungen zum Kinderhaus berichten. Selbst die Fischerfrauen, mit denen wir noch 2012 im Kinderhaus gesprochen hatten, sie berichteten ganz frei, dass ihre Kinder jetzt schon im Alter von 16 und 18 Jahren seien. Andere, die wir noch mit ihrem zweijährigen Baby auf dem Arm kennengelernt hatten, zeigt jetzt stolz auf ein zehnjähriges Mädchen. Danke, dass diese Kinder durch das Kinderhaus die schlimme Zeit nicht so miterlebt haben. Überhaupt Dank von rauen Fischern ausgesprochen. Das geht schon unter die Haut. Ist ganz ehrlich gemeint und macht den Spendern Freude es jederzeit wieder zu tun. Das Angebot der Fischer den Menschen aus Tokyo im Falle einer zu erwartenden Katastrophe im Gegenzug auch zu helfen war nicht nur so dahin gesagt, es war ehrlich gemeint, so stark ist ihr Dank für die Hilfe. Frau Yamane hatte ihrem Mann verboten bei solcher Gelegenheit Tränen zu zeigen. Dass er gerührt war, auch dass ihm eine große Last des Versprechens über so einlange Zeit für die Finanzierung zu sorgen abfiel konnten wir an diesem langen Tag in Ohzashi spüren.

Jetzt ist das Projekt ausgelaufen. Am 21. November 2018 wird mit dem Abriss des Hauses begonnen. Die Architektin Frau Okazaki und ihr Team bestätigten uns, dass es keinen Sinnen mehr mache, das Haus eventuell an anderer Stelle wieder aufzubauen. „Es ist im wahrsten Sinne des Wortes in den vergangenen sieben Jahren von den Kindern „verspielt und verwohnt“ worden“. Also wird es abgerissen, der gemietete Platz nach Ablauf des Mietvertrages an den Besitzer zurückgegeben. Die Gesamtkosten sollen sich auf etwa Yen 25.000.000 belaufen. Geld für den Abriss ist nach Aussage von Prof. Yamane noch genug übrig geblieben. Er hofft sogar auf einen kleinen Überschuss, den er der Dorfgemeinschaft Ohzashi dann zurückgeben wird.

In meiner kleinen Ansprache wollte ich lediglich den Gruß an die Fischer in Ohzashi derjenigen übermitteln, die zu dem gespendeten Betrag von Yen 2.091.960 in Deutschland beigetragen haben. Die dankbare, berührende Stimmung ließ mich dann allerdings auch ein Wort des Dankes an den Mut von Prof. Yamane und seine Mitstreitern richten. Solche Menschen braucht es in der Not. Danke.

Grobe Übersetzung der Dank Mail vom 31. Oktober 2018 von Prof. Yamane an uns. Den Dank geben wir weiter an alle, die das Projekt mit ihren Spenden unterstützt haben:

“Das Kodomo Haus wurde am 20 Dezember 2011 fertig gestellt und war damit bezugsfertig. Für die große Unterstützung für dieses Projekt möchte ich Ihnen sehr herzlich danken.

Der „Vater“ des Hauses Sato-san hat berichtet, dass die Kinder das Haus richtig ausgenutzt hätten und somit das Ziel und die Aufgabe des Hauses erfüllt werden konnte.

Die Kinder haben vor dem Abriss des Hauses Botschaften an die Wände geschrieben. Eine davon lautet: „Vielen Dank, wir haben hier mit unseren Kameraden sehr viel gespielt und möchten uns ganz herzlich bedanken“.

Während unseres gemeinsamen Abendessen überraschte uns die TV Nachricht, dass der damals neunjährige junge Abe jetzt mit der Volleyball Mannschaft von Tohoku Koko (Highschool) die japanische Meisterschaft gewonnen hat. Sein Foto erschien auch in der örtlichen Presse. Eine fröhliche Nachricht.

Unser Wunsch war es, dass die Kinder trotz der großen Katastrophe fröhlich, gesund und frei aufwachsen können. Unser Wunsch wurde voll erfüllt.

Die Baugenehmigung für das Kinderhaus wurde damals verbunden mit dem Aufbau der provisorischen Containerhäuser. Diese werden zusammen mit dem Kinderhaus abgebaut. Der Abriss beginnt am 21. November 2018. Das Grundstück wird danach an den Besitzer zurückgegeben.

Endo-san aus Ohzashi ist für den Abbau verantwortlich, er sagte dankbar: „Meine Kinder haben auch hier gespielt und sind hier aufgewachsen“.

In der Gegend war das Kinderhaus die größte, besser gesagt die phantastischste Einrichtung für Kinder. Die Realisierung konnte nur durch Ihre Unterstützung umgesetzt werden. Dafür ganz herzlichen Dank von uns an Sie.

Auch wenn das Haus bald abgerissen sein wird, Ohzashi wird noch weiterhin auf dem Weg der Erneuerung sein. Wir wollen uns dazu eine neue Form der Unterstützung überlegen und Sie eventuell noch einmal um Ihre Unterstützung bitten.

Kazuma Yamane”.

 

Wie sieht es heute an der Pazifikküste aus?

Ja, wie es heute, siebeneinhalb Jahre nach dem Tsunami an der Pazifikküste aussieht? Wie es dort mit dem Leben weiter geht? Auch das wollte uns Prof. Yamane verdeutlichen. Er hatte für den Besuch der Stadt Shizugawa einen Bus, der eine Gruppe von 20 Leuten vom Shinkansen Bahnhof in Sendai abholte, organisiert. Vor der Zeremonie wollte er uns die Umgebung von Ohzashi mit den Veränderungen der vergangenen Jahre zeigen.

Shizugawa war einst eine blühende Stadt, direkt am Meer gelegen. Mit einem großen Krankenhaus Mitten im Zentrum. Wir haben Shizugawa damals besucht, eine Geisterstadt. Die Gebäude waren von den Wassermassen durchspült, der gesamte Inhalt weggeschwemmt. Das Krankenhaus und andere Stahlbeton-Gebäude war nur noch Gerippe. Auf das Dach eines Gebäudes war ein Auto gespült worden. Etwa 800 Menschen sind dort am 11.März 2011 ums Leben gekommen oder werden immer noch vermisst.

Als wir Shizugawa 2012 wieder besuchten waren die ehemaligen Straßen wieder frei geräumt, sodass wir durch diesen Ort fahren konnten. Das ehemalige Katastrophenzentrum stand nur noch als dunkelrotes Stahlgerippe mitten im Ort. Daran hängen geblieben waren Textilfetzen, Seile und alle möglichen Teile, die ein unwirkliches Bild des ehemaligen Zentrums abgaben. Von hier aus hatte während des Tsunamis eine junge Frau die Bewohner von Shizugawa vor den heranstürzenden Wassermassen gewarnt und aufgefordert sich sofort in Sicherheit zu bringen und höher gelegene Stellen aufzusuchen. Bis zum letzten Moment hat sie diese Durchsagen gemacht, sie ist dann in dem reißenden Strom aus Wasser, Gebäudeteilen, Holz und Schutt selbst untergegangen. Im Jahr 2013 konnten wir das Stahlgerippe mit unseren Lionsfreunden aus Düsseldorf besuchen. Es war jetzt der Mittelpunkt der freigeräumten Stadt mit einem Parkplatz direkt daneben, denn täglich kamen Besucher, um sich an das grausame Erlebnis zu erinnern und um für die umgekommenen oder vermissten Seelen zu beten.

Heute im Jahr sieben nach dem Unglück ist das Gerippe des ehemaligen Katastrophenzentrums nur noch von einer etwa 15 Meter hohen Anhöhe aus zu sehen. Es steht einsam zwischen dunkelgrauen Bergen von Schotter und Erde. Shizugawa gibt es in der alten Form nicht mehr. Am Meer sollen jetzt hohe Betonwälle vor einem weiteren Tsunami schützen. Das Gelände hinter dem Wall wurde bereits um fünf Meter erhöht, darauf stehen allerdings nur einige wenige Gebäude von Fischerkooperativen, eine Tankstelle. Aber auf den umliegenden Höhen, von einem nächsten heftigen Tsunami nicht zu erreichen, wurde begonnen ein neues Shizugawa mit Krankenhaus, Schule, eine DIY Center und Wohngebäuden aufzubauen. Alles sieht so neu, so frisch angelegt aus.

Etwa da wo früher das Zentrum lag, werden jetzt Erd-Pyramiden bis zu 15 Meter Höhe aufgeschichtet und befestigt. Einige sind erst fünf oder zehn Meter hoch, andere schon auf die fünfzehn Meter Höhe aufgeschüttet. Verloren dazwischen jetzt das etwa sieben Meter hohe Stahlgerippe. Wir konnten den Aufbau von der neuen Geschäfts-Mitte der Stadt von fünfzehn Meter Höhe verfolgen. Diese Mitte besteht aus zwei langen Reihen Holzbauten, in denen Geschäfte, Restaurants und Service Firmen untergebracht sind, so wie das früher auf der Hauptgeschäftstraße von Shizugawa gewesen sein könnte. Hier will die Stadt zur Normalität zurückfinden. Davor weite Parkplätze. Neue Straßen wurden angelegt. Unser Busfahrer berichtet, dass er täglich neue Wege finden müsste, so schnell würden sich die Straßenbauten verändern. Und prompt mussten wir umkehren, der Bus hatte sich festgefahren.

Das neue Zentrum Shizugawas soll in naher Zukunft auf einer um fünfzehn Meter aufgeschütteten Ebene entstehen, dazu heute die traurig anmutenden Erdbewegungen.

Im Bus entspann sich eine Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme. Wer von den ehemaligen Bewohnern von Shizugawa wird wohl nach Fertigstellung des Hochplateaus dort seine Lebensgrundlage wieder aufbauen? Die Menschen, die einst hier wohnten sind in den vergangenen siebeneinhalb Jahren weggezogen oder haben eine neue Existenz an anderen Orten aufgebaut. Werden sie demnächst wiederkommen? Interessant war die Bemerkung: Wir sollten mit der Natur und den Naturgewalten leben und sie respektieren, dann bräuchten wir auch nicht das viele Geld dafür zu verbraten, das jetzt in diese Aufschüttung gesteckt wird.

Auf dem Weg nach Ohzashi begegneten uns immer wieder LKWs, die Material für neue Eindeichungen heranschaffen, es scheint eine Aufgabe für Genrationen zu werden. Die alten, teilweise abgesunkenen Gebäude, durchspülte Schulen und Firmen sind abgetragen worden. Überall wird an neuen Straßen gearbeitet. Überall stehen Gräber, ehemalige Dörfer ohne Häuser, eingeebnetes Land. Der Blick aus dem Bus heraus macht zwar Hoffnung auf neues Leben an der Pazifikküste, aber das Herz ist schwer, was hier ein paar Stunden am 11. März 2011 angerichtet haben.

Dann die Okawa Volksschule am Kitakami Fluss. Sie wurde damals von der Welle erfasst, das umliegende Dorf weggespült, die Kinder konnten sich nicht mehr retten. Von ehemals 108 Schülern kamen 74 Kinder um oder werden immer noch vermisst, ebenso 10 Lehrer und der Fahrer des Schulbusses. Das Gebäude, so wie es nach dem Tsunami aussah steht heute dunkel, mit leeren Fensterhöhlen als Mahnmal an der Brücke über den Kitakami Fluss. Davor ein Altar. An ihm werden immer wieder Blumen abgelegt, hier wird für die Seelen der Kinder und Lehrer gebetet. Ein Ort, der den Besuchern das Grauen der Naturgewalten ganz nahe bringt. Auch hier wird das Herz schwer. Das Mahnmal erinnert daran, dass wir Menschen zu jeder Zeit von einem Unglück von solchen Ausmaßen heimgesucht werden kann.

 

 

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Maneki Neko 2. Teil

Die Geschichte der Maneki-Neko (Welcoming Katze)

Heute kaum noch wegzudenken. Weltweit sehen wir in Geschäften die mit einer Pfote winkenden Katzenfiguren mehr…

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